March 1, 2014

Frühjahrsputz.


Wie das immer so ist -- die eine Ecke gefühlte ewige Baustelle, die andere halbwegs vorzeigbar, aber beides zusammen sieht aus wie bei Lumpis unter dem Sofa. Und der Frühling zieht ein.

Frühjahrsputz: handmade2.0 muss Platz, viel Platz, in den Regalen schaffen. Dazu habe ich aussortiert und sitze vor einem Berg Zeitschriften und Büchern (und tausend anderen Dingen), die man nicht einfach so wegschmeissen kann. Darf. Soll. Weil es einfach nicht stimmt. Weil man so einfach nicht konsumieren darf.
Und daher passiert hier über die nächsten Tage oder Wochen einfach mal das hier:

handmade Bücherflohmarkt

Sicherlich etwas chaotisch, aber ganz bestimmt auch etwas, mit dem ich einigen hier eine Freude machen kann. Es gibt soweit zum Beispiel einige Martha Stewart Living-Ausgaben, MS Wedding, Marie Claire Idées, meine kleine Sammlung kleinformat-Hefte und ein paar holländische Magazine. Es folgen in den nächsten Tagen/Wochen noch Zakka-Bücher (japanische Craftbücher), englische Bücher, Software-Bücher und ein grosser Berg Zeitschriften, die allesamt ein liebes neues Zuhause suchen.

Ist das etwas für Euch? Dann habt viel Spass beim Schauen! Ich freue mich für Euch.

December 31, 2013

Das Beste immer zum Schluss.






Traditionen soll man pflegen.



Prosit Neujahr!


December 22, 2013

handmade.Telegramm 22.12.2013: #collcon #consumerism



handmade telegramm

So kurz vor Weihnachten liegt nichts näher, als einmal genauer hinzuschauen: #collcon #consumerism

"How to monetize your closet" - NYT Sunday Review über die Sharing Economy und Collaborative Consumption. (Anm.: Zwei Themen, die zwar schon 2010 kursierten, aber 2014 wichtig werden)
"Materialism: a system that eats us from the inside out" - der Guardian über Konsumoverkill und die Anleitung zum Unglücklichsein (und immerhin: knapp 1000 Kommentare!).
Derzeit noch in der 3sat Mediathek: "Konsumrausch - Ein nano spezial zu Konsum, Kaufen und Verzicht"
Auf werden Kinderklamotten getauscht - netter Name, interessantes Konzept.
Zeit statt Zeug -- ein Projekt gegen den Konsumoverkill, das während des alljährlichen Weihnachtsshoppingwahns durch alle Medien ging (mir gefällt das Bild der strickenden Trendbärtigen ja besonders... ;) ).




December 5, 2013

Ich kauf nix! - We have winners


Die Glücksfee hat sich im Orkan versegelt, aber letztendlich doch noch hergefunden und drei Namen aus dem Glückstopf gefischt - random.org war der virtuelle Schüttelbecher, Kommentare wurden wie immer chronologisch durchnummeriert, eingegeben und als zufällige Liste wieder ausgespuckt.




Herzlichen Glückwunsch, Ihr drei! Je einmal Nunu Kallers "Ich kauf nix!" kommt in Euren Nikolausstiefel!

Habt vielen Dank für all' Eure Kommentare und Ideen zum kritische(re)n Konsumieren.


(P.S. Keine Ahnung, was Blogger heute mit Bilduploads hat... weiss ist grau statt weiss und es verpixelt bei Originalgrösse. Wasn't me!)

December 2, 2013

Hollands Flow Magazine kommt nach Deutschland


Wie vor ein paar Tagen quasi als Randnotetweet abgesetzt: vor drei Jahren, eigentlich fast vier, hatte ich mal angemerkt, dass die Holländer die besseren Printmagazine auf den Markt bringen. Und damit verbunden mein ewiger Frust, dass der deutsche Markt nicht gerade kreativ ist.

Fast Forward 2013: G+J haben sich die Lizenz für den deutschen Markt gesichert und dürfen die deutsche Ausgabe des beliebten holländischen Flow Magazine aus dem Hause Sanoma verlegen - eigentlich ja die Exclusive & Living digital GmbH (dort auch: Couch Mag, Schöner Wohnen...), die aber zu 100% G+J gehört.
Die erste Flow-Ausgabe liegt seit November beim gut sortierten Händler. Die deutschsprachige Webseite zur hiesigen Edition ist hier.




Es kommt sicherlich günstiger eine Lizenz zu erwerben, statt etwas gänzlich neues für den Markt zu entwickeln; die kreative Leserschaft wird sich so oder so närrisch freuen, Flow nun auch auf deutsch lesen zu können.

Für mich ist das Interessante an ausländischen (Lieblings)magazinen nicht nur Inhalt und Design, sondern auch die Sprache. Ich kann mich daher nicht ganz entschliessen, Flow nun in deutscher Sprache zu kaufen... allerdings werden die Ausgaben sicherlich nicht identischen Inhalts sein, so dass die Neugier letztendlich wohl doch siegen wird. Und dann wäre da ja noch die internationale Ausgabe vom Flow, die bereits in die dritte Runde geht...






November 27, 2013

handmade.Buchtip: Ich kauf nix!


Grosses Programm!

Vor ein paar Tagen dezent angekündigt, heute ist es soweit: Nunu Kallers "Ich kauf nix!" ist ab heute ganz offiziell im Buchhandel Eures Vertrauens erhältlich. Ich habe die vergangenen Tage mit meiner Nase im Buch verbracht, um es Euch heute vorstellen zu können.

Im Anschluss an die Besprechung könnt Ihr eines von drei Exemplaren gewinnen, die Details dazu stehen unten. Und alle, die die charmante Autorin noch ein wenig näher kennen lernen wollen (also 110% aller Leser hier!), können dies im handmade.Interview mit Nunu Kaller tun (das Interview hat einen Post ganz für sich alleine).

Wir fangen am besten einfach vorn an. Nämlich beim Buch.

"Ich kauf' nix!" von Nunu Kaller

"Ich kauf nix!" von Nunu Kaller (2013)

Was tun, wenn in heimischen Gefilden plötzlich ein Mount McWäscheberg  Anspruch auf Autonomie stellt, wenn der Shoppingwahn nicht nur die Kapazität sämtlicher Kleiderschränke und Kommoden sprengt, sondern auch den häuslichen Segen und das Konto auf eine harte Geduldsprobe stellen? Genau. Es muss sich etwas ändern.

Nunu Kaller ist Anfang Dreissig, lebt in Wien und arbeitet seit 2011 für eine österreichische NGO. Und sie hat ein Konsumproblem, nämlich das des grenzenlosen Kleidershoppings. Als sie erkennt, dass sie einen Weg aus diesem "Shopping-Knall" nehmen muss, beschliesst sie, ein ganzes Jahr lang auf den Kauf neuer Kleidung und Accessoires zu verzichten. Nunus Diätplan für das gesamte Jahr besteht aus sechs Regeln und vier Fleissaufgaben, die sie sich selbst stellt und die sie im Laufe des Jahres meistern will. Kontrollinstanz während der zwölfmonatigen Shopping-Diät sind neben echten Menschen auch das eigens dafür gestartete Blog, auf dem Nunu Gedanken rund um ihr Projekt, Konsum und Modeindustrie festhält.

Ich kauf nix! berichtet davon, wie schwer es sein kann, ein ganzes Jahr lang jedem Kaufimpuls zu widerstehen, wie zur Problemerkenntnis das Eingeständnis und dann das Aufwachen kommen. Danach ist nichts mehr wie vorher, aber ist es damit gleich schlechter?

Während Nunu sich durch ihren schon allgegenwärtigen Wäscheberg kämpft (das dauert wirklich ein Jahr), will sie mehr über das wissen, was wir alle tagtäglich am Leib tragen: wo kommt die Kleidung her? Wer hat sie gemacht, wer verdient dabei wieviel und was muss die Umwelt dabei eigentlich einstecken?
Im Laufe des Jahres entdeckt Nunu die Welt der (Fast) Fashion nicht nur von ihrer sehr hässlichen Seite; mehr noch, sie zieht aus der gewonnenen Erkenntnis über den Missstand in Sachen Konsumwahn den nötigen Schwung, sich in das Abenteuer DIY zu stürzen und wieder mehr selber zu machen. Das hat einmal therapeutischen Wert, setzt aber auch ein Zeichen nach aussen, denn Nunus Eigenkreationen bleiben der Umwelt nicht vorenthalten. Im Gegenteil, sie bringen mitunter Dinge ins Rollen, mit denen sie selber nicht rechnet.

Nunu wird Monat um Monat aus ihrer Konsumseifenblase geholt, die sie doch oft schon naiv dastehen lässt: wie kann denn jemand ausgerechnet aus dem NGO-Umfeld so blind sein? Aber Moment mal, und dabei kräftig an die eigene Nase fassen. Denn der Konsumterror hat, meine eigene These, jeden im Griff. Jeden auf seine eigene Weise, und das ist das grösste Problem. Denn sonst wäre die Welt ein gutes Stück besser für alle. Umso angenehmer fällt dabei dann nämlich wieder auf, dass Nunu uns auch gleich mit vor den Spiegel stellt, ohne moralischen Zeigefinger, aber dafür immer mit einem zwinkernden Auge. Und ich denke, genauso sollte auch der Untertitel des Buches -"Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde"-  verstanden werden.

Ich kauf nix! ist in Form eines Tagebuchs geschrieben, die Kapitel verzeichnen neben ihrer Überschrift auch das entsprechende Datum (das hatte mir schon an Susanne Kligners "Hab' ich selbst gemacht" gefallen). Durch die Kapitel-Schrägstrich-Tage liest es sich recht flüssig, gerade so, als lese man das Tagebuch der besten Freundin - der Ton ist unterhaltsam, persönlich, und Nunu verbiegt sich glücklicherweise nicht, um die elegante wienerische Note gegen standardkonformes Hochdeutsch zu tauschen (so viel "bitte"s habe ich lange nicht mehr gelesen. Und eines meiner deutschen Lieblingsworte -Treppenwitz- kommt auch vor. Hysterie.)

Dem Shoppingdiät-Tagebuch ist ein Anhang beigefügt mit einer Auswahl Fakten zum Thema faire (oder eben unfaire) Textilproduktion, sowie Nunus Literaturempfehlungen für alle, die weiterlesen wollen. Ich gebe zu, da ich Unterhaltungsliteratur so gut wie nicht konsumiere, sondern die meiste Zeit in akademischer Literatur herumlese, habe ich mein schon zwanghaftes Nachschlagenwollen von Fussnoten und Quellenbelegen unterdrücken müssen. Die fehlen hier, wenn Fakten angesprochen werden; aber wir haben es hier letztendlich mit einem Sachbuch zu tun, und da dürfen diese Dinge dann auch schon einmal fehlen, ohne dass es irgendwelche Standards verletzen würde.

Fazit: Ich kauf nix! ist ein Titel, der ganz besonders allen gefallen wird, die sich mit dem Thema "kritischer Konsum" befassen oder befassen wollen und einfach nur hören möchten, wie es einer anderen dabei ergangen ist, das eigene Konsumverhalten auf den Prüfstand zu stellen und -letztendlich- positiv zu ändern.




Nunu Kaller
Ich kauf' nix!
Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde

isbn 978-3-462-04589-5
272 Seiten

ca. 8,99€ (D)
[13,10 sFr [CH] | 9,30€ (Ö)]




Dreimal Ich kauf' nix für Euch!

In Kooperation mit dem Kiwi-Verlag habe ich drei druckfrische Exemplare zu vergeben. Die werden wie immer unter allen Kommentaren unten verlost. Ebenfalls wie immer gibt es dazu eine kleine Aufgabe für alle diejenigen, die mit in den Lostopf möchten.

So geht's:
1. Frage: Was ist Dein Beitrag zu kritischerem Konsumieren (egal von welchen Dingen)? Und wenn noch nicht aktiv, wo würdest Du beginnen, kritischer zu konsumieren?

2. Kommentiert bitte direkt hier unter diesem Beitrag.

3. Daumen drücken!

Bitte beachten:
Kommentare werden bis zum 04. Dezember 2013, 12 Uhr mittags berücksichtigt.
Seid lieb und kommentiert nur einmal (Kommentare werden moderiert, aber es kommen alle durch!).
Die GewinnerInnen werden am 05. Dezember 2013 hier auf handmade2.0 bekannt gegeben.
✔ P.S. Ihr dürft auch mitmachen, wenn Ihr ausserhalb Deutschlands lebt!

Versteht sich von selbst:
Eure Emailadressen werden von mir nicht an Dritte weitergegeben und nach der Verlosung aus meiner Inbox gelöscht.
Die GewinnerIn muss -zwecks Kommunikation und Buchversand- eine gültige Emailadresse und Postanschrift haben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ebenfalls draussen bleiben müssen Gewinnspielagenturen und dergleichen Veranstaltungen.

Der Verlosung bleibt bitte fern, wer mit den (wirklich fairen) Spielregeln nicht einverstanden ist.



Viel Glück!




handmade.Interview: Nunu Kaller



Nunu Kaller ist die Autorin des soeben im Kiwi-Verlag erschienenen Titels "Ich kauf' nix! - Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde". Anlässlich der Buchbesprechung auf handmade2.0 habe ich gleich noch die Gelegenheit genutzt, Nunu ein paar Löcher in den Bauch zu fragen - sowohl rund um ihr einjähriges Projekt des Konsumboykotts als auch etwas persönlichere Dinge.

Nunu Kaller [©Elisabeth Mondl]

handmade2.0: Wichtigste Frage vorweg: Nunu - ist das Dein richtiger Name? (Das können warscheinlich auch nur Deutsche fragen...)

Nunu Kaller:  Nein, das fragt wirklich jede und jeder :) Und: Ja und nein gleichzeitig. Ich heiße eigentlich anders, habe einen sehr deutschen Namen, aber habe mich als Baby immer selbst so genannt - und das ist mir geblieben. Auf meinen echten Namen höre ich nicht, mit dem habe ich mich auch nie identifiziert. Also: Ja, irgendwie ist Nunu mein richtiger Name...

h2.0: Am 27. November ist Dein Buch erschienen, nicht ganz ein Jahr nachdem Du Deine "Shoppingdiät" beendet hast. Du legst damit sozusagen ganz öffentlich noch einmal Bericht über ein Jahr Abstinenz vom Fashionwahn vor. -- Wie geht es Dir nach der ersten Aufregung? Was erhoffst Du Dir? Und überhaupt: warum musste es nach dem Blog noch ein Buch sein?

Nunu:  Aus dem Blog ist das Buch überhaupt erst entstanden. Ein Buch zu schreiben war schon lange ein riesiger Traum von mir. Dass sich nun die Gelegenheit ergeben hat, mir diesen Traum zu erfüllen, macht mich sehr glücklich. Wer den Blog verfolgt und das Buch liest, wird zwar vielleicht die eine oder andere Formulierung wieder erkennen, aber auch sehen: Das Buch ist ausführlicher. Ich freue mich sehr, mit dem Buch neue LeserInnen zu erreichen!

h2.0: Was hat Dir bei der Arbeit am Buchprojekt am meisten Spass gemacht, was eher nicht so?

Nunu: Ich schreibe einfach unglaublich gerne. Nach meinem Publizistikstudium habe ich in einer Lehrredaktion und dann auch wirklich on the job bei einem großen österreichischen Nachrichtenportal einer Tageszeitung die Grundregeln jounalistischen Schreibens gelernt, später als Pressesprecherin auf täglicher Basis Presseaussendungen geschrieben, die ebenfalls einem bestimmten schreiberischen Muster folgen.
Auf dem Blog und später auch beim Schreiben des Buches konnte ich wirklich frei Schnauze agieren und so schreiben, wie es mir gerade einfällt - ich konnte viel mehr mit der Sprache spielen, Wortwitz einbauen usw...
Lustigerweise war genau dieses freie Schreiben auch ein, zweimal eine richtige Bremse, ich bin in einen Nacherzählungsstil hineingefallen und konnte gleich mal wieder seitenweise streichen und neu schreiben. War gar nicht so einfach, immer die Stimmung und Sprache zu halten. Ein Buch zu schreiben, ist einfach etwas ganz Besonderes.


Nunu Kaller - "Ich kauf' nix!"


h2.0: Dein Jahr ohne Bekleidungskonsum ist seit Januar (pardon, Jänner! :) ) 2013 zu Ende -- hältst Du Dich auch immer fest an Deine KaufNix-Regeln (die man im Buch nachlesen kann!)?

Nunu: Ja. Ich hatte einmal einen Rückfall im vergangenen Sommer, da bin ich irgendwie wieder in diese Shoppingstimmung hineingekippt und habe eine Tasche und zwei par Schuhe gekauft, einfach, weil sie im Angebot waren (aber immerhin: alles entweder Second Hand oder ökologisch und fair produziert). Aber ansonsten kaufe ich fair und/oder bio, und insgesamt sehr viel weniger als vorher. Die Fragen, ob ich das Teil wirklich brauche und es mir wirklich passt, die stelle ich mir jedesmal.
Außerdem ist mein gesamtes Shoppingverhalten ein anderes geworden. Während ich früher manchmal loszog und einfach die Dinge auf mich wirken ließ, ziehe ich jetzt nur dann zum Einkaufen los, wenn ich wirklich ein Ziel, zB. einen grauen Pullover o.ä. habe. Derzeit "brauche" ich echt absolut nichts neues Textiles und bin rundum glücklich damit...

h2.0: Du befasst Dich zwar mit dem grossen Fashion-Hype, weniger mit dem handmade-Hype, hast davon aber auch einiges mitbekommen. Wie siehst Du die Lage: trägt handmade zum bewussteren Konsumieren bei, kann man damit überhaupt etwas ändern, oder wird es doch wieder auf Massenproduktion, und dann eben mit handmade-Feel, hinauslaufen (siehe auch Etsys letzte Änderung, dass dort nun Massenproduktion erlaubt ist, solange sie etsyintern als ethisch korrekt klassifiziert wird)?

Nunu: Ich bin ein großer Fan von Etsy, Dawanda und sonstigen Handmade-Portalen - genauso, wie mir die Dinge gleich selbst zu produzieren, also zu stricken und (weniger leidenschaftlich) zu nähen. Ich glaube, dass dieser Trend aus einer anderen Ecke kommt, ich sehe darin einen Wunsch nach Rückzug und "Verkleinerung" der globalisierten Welt, ein gewisses neues Biedermeier, das aber unglaublich stylish daher kommt. Dieser Trend hat sicherlich auch mit einem Wunsch nach Identifikation zu tun - einerseits bei den Produzierenden, die etwas mit ihren Händen schaffen (ein oft gehörtes Argument von Neo-DesignerInnen, die vorher in Werbung, Marketing o.ä. beruflich zugange waren), andererseits bei den KundInnen, die nicht nach Fast-Fashion-08/15 aussehen wollen. Dass dabei die Komponente der unsozialen, globalisierten Produktion im Fertigungsbereich komplett ausgeblendet werden kann, ist glaube ich eher ein Nebeneffekt.
Die Änderungen von Etsy sehe ich recht kritisch - es ist eine Art Industrialisierung einer Branche, die eigentlich davon lebt, eben genau nicht industrialisiert zu sein. Ich hoffe, dass der Trend des wirklichen "DIY" und "handmade" dennoch erhalten bleibt.

h2.0: Und noch einmal nachgehakt:  Der handmade-Trend und Deine/unsere Generation -- wie gut passt das Deiner Meinung nach zusammen?

Nunu: Ich finde, dass der fantastisch zusammenpasst - ich selbst sitze grad in selbstgestricktem Pulli, selbstgestrickten Socken und mit selbstgenähtem Schal da und würde mich so auch vor die Tür trauen (vielleicht mit einer anständigen Hose anstatt der Jogginghose, aber mei, ich hock halt gerade am Sofa :) ).


h2.0: Was müsste sich generell ändern, damit bewussteres Konsumieren, nicht nur im Kleidungsbereich!, zu unserer zweiten Haut wird, und was wird es uns Deiner Meinung nach gutes tun?

Nunu: Meiner Meinung nach gibt es kein Standardrezept und auch keinen generellen Ansatz. Am erfolgreichsten findet Umdenken statt, wenn es den Menschen nicht aufoktruiert wird, sondern in und aus ihnen heraus selbst entsteht - und da liegt der Knackpunkt bei jeder Person woanders. Aber dass sich etwas ändern muss, ist klar.
In einer Doku über Primark fiel letztens der spannende Satz: wir haben "ein Konsumverhalten, das wir uns auf Dauer leisten wollen. Wir wissen jetzt schon, dass wir es uns auf Dauer nicht leisten können." Das sollte doch zu denken geben.... 


h2.0: Der Soundtrack zu Deiner jetzigen Lebenssituation wäre...?

Nunu: Nicht wäre, sondern IST! Ich höre derzeit sehr viel zwei Alben, und weiß jetzt schon, die werden mich später mal immer an diese Zeit erinnern:

- Jonny Lang: live 
- Foo Fighters: Wasting Light 

...und bei gröberer Tanzlaune im Wohnzimmer, kommt auch öfter vor :)

- Basement Jaxx - the Singles


h2.0: Welche handwerkliche Fertigkeit oder welche Technik würdest Du gerne noch lernen? Oder reicht es Dir nach dem Jahr erst einmal?

Nunu: Ach, da gibt es vieles. Ich würde gerne einmal selbst Wolle spinnen, ich würde gerne wirklich ordentlich und langfristig nähen lernen, aber andererseits wär ich auch wirklich gerne öfter handwerklich unterwegs.

Letztes Jahr haben mein Freund und ich alte Kästchen lackiert, aus einer Kabeltrommel einen Tisch gemacht, und er hat aus einer Waschmaschinentrommel eine Lampe gemacht (die endlich mal aufgehängt werden sollte...) - dazu fehlt mir leider gerade komplett die Zeit.
 

h2.0: Über die Literaturliste Deines Buches hinaus: Zwei Publikationen, die Du anderen (neuen) kritischen KonsumentInnen als Must-Read/See/Hear empfehlen würdest?

Nunu: Ich bin gerade restlos begeistert von Lucy Siegles "To Die For - Is Fashion Wearing out the World?" - gibts meiner Info nach aber derzeit nur in Englisch.
Außerdem ein tolles Buch: "Go Shopping" von Eva Tenzer - darin ist spannend erklärt, woher unsere Shoppingimpulse eigentlich kommen. Dieses Buch ist neben anderen in meinem Buch am Ende auch vorgestellt!

h2.0: Words of wisdom --  Ich bin ja so begeistert, dass in Deinem Buch tatsächlich das Wort "Treppenwitz" fällt.... in diesem Sinne: Welchen guten Tip gibst Du angehenden kritischen KonsumentInnen mit auf den Weg, den Du im Buch vielleicht nicht mehr untergebracht hast?

Nunu: Nicht gleich der ersten Stimme glauben. Kritisch hinterfragen. Ist ordentlich anstrengend, aber wenigstens kann einem dann niemand mehr Ökotex 100 als Bio-Siegel andrehen, und auch die Steigerung der nachhaltigerEN Kollektion des Textilschweden sieht man dann doch sehr kritisch! :)



Liebe Nunu, hab' vielen Dank für das tolle und ausführliche Interview mit Dir!
Für Dein Buch und für Dein Engagement in Sachen Konsumkritik drücke ich Dir beide Daumen!




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