Mein Beitrag über
WeFew sollte eigentlich gepaart sein mit diesem hier, allerdings kam aktuell via Etsys Forum
BuyOutsideTheBox dazwischen. Heute also ein Beitrag über Supermarket HQ, einem Markplatz für Designgüter, der ebenso wie WeFew und BOB per Kuratorium darüber entscheidet, wer dort verkaufen darf und wer nicht.

Wer?
Supermarket HQ ist ein Projekt von Supercorp Inc. in Brooklyn; Supercorp Inc. ist im Kern drei Köpfe, Ryan Deussing, Randy J. Hunt und Todd Persen. Da die Webseite für Supercorp informationstechnisch sehr mager ausgestattet ist, und da die drei "witzigerweise" ihre Namen mit Googlequeries verlinkt haben, hier ein paar mehr Infos.
Zum Beispiel verweist Ryan Deussings Profil auf flickr auf Elsewares, das ich nun eigentlich von meiner Liste streichen könnte. :) Elsewares, das es bereits seit 2004 gibt, funktioniert im Prinzip wie Supermarket HQ, oder umgekehrt, und sieht designtechnisch auch so aus, soviel dazu. Wer auf Facebook oder LinkedIn ist, kann mehr über Ryan Deussing lesen.
Randy J. Hunt, dem Citizen Scholar gehört (design consulting und creative services für kulturelle und gemeinnützige Projekte, sowie für Künstler), ist Mitbegründer von Supercorp Inc. und u.a. auch auf Schwadesign und UnderConsideration zu finden.
Todd Perssens Projekt ist Industrialogic (Industrialogic Engineering Corporation), und er hat zum Beispiel den Mini Minty (der MP3 Player, der in eine Minzdose passt, Mini Minty Webseite gibt's nur noch per Internetarchiv) ertüftelt, über den MAKE 2006 berichtete.
Wie?
Im Grunde funktioniert auch dieser Marktplatz wie alle bereits bekannten Modelle - Verkäufer liefern die Waren zum Verkauf, Marktplatz stellt die nötige Architektur bereit und kassiert im Gegenzug einen Anteil des Verkaufspreises. Im Fall von Supermarket HQ heisst dies, Designer müssen sich zuerst mit einer Kostprobe beim Kuratorium vorstellen. Werden sie akzeptiert, können sie sich registrieren und ihren Shop einrichten. Ausführliche Informationen z.B. zum Preismodell hält Supermarket HQ nur für registrierte Verkäufer bereit, und auch ansonsten wird mit Informationen sehr gegeizt: ein wirklich sehr simples Videoturorial zum Verkaufen ist auch nur zu sehen, wenn man eingeloggt ist.
Wer alles bei Supermarket HQ aufgenommen worden ist, kann man kompakt auf der Designerübersicht sehen, die man sich geordnet nach Alphabet, Eintrittsdatum oder per Zufall generiert anzeigen lassen kann. Wenn man annimmt, dass jede Seite zehn Shops aufführt (bis auf die letzte, Seite 17, die nur zwei hat), dann sind im Moment rund 162 Shops auf Supermarket HQ, ebenfalls erkenne ich enorm viele Etsyshops wieder. Positiv: es sind viele internationale, vor allem europäische Shops dabei.
Shops sind von der Struktur her sehr übersichtlich angelegt. Dadurch, dass man sich hier nicht auf ein zentriertes Blogformat (wie Etsy) limitiert hat, bleibt rundherum mehr Platz für einzelne Shopfeatures und trotzdem immer noch genug "Weissraum", um das gesamte Erscheinungsbild aufgeräumt und luftig erscheinen zu lassen.
Shopadressen sind per Subdomain angelegt: ShopName.supermarkethq.com, und damit auch für Käufer recht einfach zu erinnern. Während Shopinhaber wenigstens ein Logo präsentieren dürfen, kommt Supermarket HQ mit auffallend wenig CD aus bzw. daher: es gibt nicht einmal ein Logo.
Als registrierter User kann man Kommentare zu Produkten hinterlassen, sowie ein Favoritenportfolio und ein personalisiertes Profil anlegen.
Will man einfach erst einmal browsen, so kann man entweder eine der vier Hauptkategorien auswählen (everything, wear+carry, space+place, paper+prints) und von dort entweder blättern, oder man kann noch eine Ebene tiefer in kategoriespezifische Subkategorien klicken (übernommen von Elsewares). Dies ist hier wesentlich übersichtlicher angelegt als auf Etsy, die sich leider immer noch schwer tun mit ihrem Lösungsansatz aus Tags und Kategorien.
Die Bezahlung der Ware läuft auf Supermarket HQ über PayPal, und wie andernorts auch, so wird jeder Shop beim Auschecken einzeln bezahlt, da Supermarket HQ nur die Shops bereitstellt.
Supermarket HQ nimmt ausserdem regelmässig teil an Brooklyn Flea, einem allsonntäglichen Markt rund um Gebrauchtes, Vintage und Indiedesign.
Lustig: ein wenn-gar-nichts-mehr-geht-Emaillink am Ende fast jeder Seite.
"Freaking out? Don't worry! We're happy to help you figure things out."
Was?Mir fällt auf, dass "Design" hier weniger elitär zu sein scheint als z.B. bei WeFew. Das meiste von dem, was hier zu sehen ist, lässt sich auch auf Etsy & Co. finden (und wird dort immer wieder als trendig gefeatured) und wird zur Zeit auf den populären Designspottingblogs im Web herumgereicht. Meine Vermutung ist, dass man einfach Kram à la "Handarbeiten" und "Country Folk Art" nicht dabei haben will. Ausserdem, und hier unterscheidet sich dieser Marktplatz von Etsy & Co., wird nirgendwo erwähnt, wie "handgemacht" die Ware sein muss - ob also z.B. eine Beschränkung in Bezug auf die Auflage von Drucksachen besteht, ob man seine Taschen und T-Shirts im Alleingang herzustellen hat, oder ob man ein kleines kreatives Unternehmen sein darf usw.
Erfreulicherweise sieht man auf Supermarket HQ realistischere Preise für Designware; warum das so ist, darüber lässt sich leider aufgrund des recht geheim gehaltenen Gebührenmodells nur spekulieren. Natürlich wird dies eine Rolle spielen; desweiteren aber haben Shops hier weniger Konkurrenz als auf Etsy & Co., und auch Hobbyisten, die auf Etsy immer wieder gerne die Preise nach unten ziehen, bleiben offensichtlich weitestgehend aussen vor.
Fazit?
Supermarket HQ ist ein interessanter Marktplatz, wenn man ausgefallenes und trendiges Designgut kaufen möchte und bereit ist, realistische Preise zu zahlen. Die Macher dürften die Werbetrommel gerne mehr rühren, auch wenn es den Marktplatz erst seit 2007 gibt, denn visuell ansprechend und leicht zu handhaben ist er allemal - sollte aber auch zu erwarten sein, nach drei Jahren Erfahrung mit Elsewares. Stöbern ist wärmstens ans Herz gelegt.
Gibt es also einen Trend zur Exklusivität in der "handmade2.0"-Welt? Vielleicht sieht es eher so aus: Kunstgalerien im Web gab es schon vor der 2.0 Bubble, ob als Alternative zum eBay-Rummel oder davon uninspiriert; Consignmentshops online gibt es auch schon einige Zeit, besonders aber seit dem "Indie designer"-Boom Anfang des Millenniums, mit dem Aufkommen der bloggenden Designer, Kreativen und Handarbeitenden. Aber erst Seiten wie Etsy und das deutsch-europäische Pendant DaWanda haben die Idee vom Storefront für Designer und Kunsthandwerker an die Massen gebracht; nicht durch Exklusivität und streng kuratierte Produktkataloge, sondern, wie Stephan Randler für Exciting Commerce so schön formuliert hat, durch einen egalitären Ansatz und den Communitygedanken, und damit im Sinne des Web2.0 (siehe ausserdem auch eine knappe Übersicht in einem meiner früheren Posts hier). Davon können kurierte Marktplätze also nur profitieren, sowohl in Bezug auf Verkäufer als auch auf Käufer.
[this is good]