May 8, 2009

handmade-Gutzel: Guzuu


Die "Marke Eigenbau"-Schlagzeile wird momentan so gerne in eigene Projekte eingebaut wie seit dem Erscheinen des gleichnamigen Buches nicht. Sollte sich nun davon ableiten lassen, dass die Autoren Friebe und Ramge da wirklich jede Menge Inspiration geliefert haben und der Markt nun auch endlich hier in Europa aufwacht und blüht?

Neuester Zugang auf dem deutschsprachigen handmade-Marktplätzen ist Guzuu, die offensichtlich nicht nur "Marke Eigenbau" gelesen haben, sondern offensichtlich auch viele vorhandene Marktplätze für Selbstgemachtes studiert und deren positive Elemente extrahiert und in ein eigenes Projekt verdichtet haben - wobei zu betonen wäre, dass man hier ohne plattes Kopieren gearbeitet hat, sondern wirklich kreativ war; mehr dazu weiter unten.

Gestartet wurde die Seite bereits im Herbst vergangenen Jahres, blieb aber seltsamerweise erstmal tief unter unserem Radar und auch die Presse scheint erst diesen Frühling in Angriff genommen worden zu sein. Guzuu kommen recht frisch daher, und obwohl das Konzept "Marktplatz zum Kaufen und Verkaufen von Selbstgemachtem" nun wirklich nicht mehr neu ist, hat dieser Platz doch etwas erfreulich Frisches und Unverbrauchtes - was sicherlich auch mit an den angebotenen Produkten liegt.
Guzuus Vision liest sich ein wenig wie das Exzerpt von "Marke Eigenbau", und die Tagline "lieber selber als China" ist ziemlich heftig - wieviele der Anbieter schaffen es denn, ihre Produkte wirklich 100% mit nicht in China (massen-)gefertigten Zutaten zu produzieren? Und: mit Verallgemeinerungen (nicht nur China produziert billige Massenware) kommen wir wirklich nicht auf einen grünen Zweig, denn sie heizen nur negative Stimmung an.

Standort des jungen Startups ist Luzern in der Schweiz, und die Macher sind laut Eigenaussage Luc Fischer, Pascal Arnet sowie Andrea Fehr von der netnode IT Services GmbH - von Haus aus also ITler, im Herzen DIYler (schöne Tagline, nicht wahr?). Und dazu noch solche, die ihre Hausaufgaben im Gegensatz zu manch anderer deutschsprachigen Neuerscheinung auf dem handmade-Markt sehr gut gemacht haben.

Erste Umsatzzahlen für den vergangenen April wurden bereits aufrichtig im Guzuu-Blog berichtet und sind wie folgt:

"Zahlen vom Monat April 2009:
Umsatz: 770.80 CHF
Unique Visitors: 1927
Pageviews: 18459"

Die Seite hatte gegen Ende April rund 89 Shops (der 100. Shop bekommt übrigens 50 Guzuu-Taler geschenkt).


Verkaufen / Kaufen

Auch ins Geschäftsmodell haben die Macher von Guzuu fleissig aus dem Marke-Eigenbau-Ideenpool für eine "neue Konsumwelt" einfliessen lassen und rechnen in eigener Währung: Guzuu-Talern. Es gibt also so etwas wie eine Shopmiete bzw. Einstellgebühren:

"Ein Guzuu-Taler kostet 0,50 Schweizer Franken. Mit einem Guzuu-Taler kannst du Produkte im Wert von 10 Schweizer Franken verkaufen. Kostet etwas 20 Franken, dann brauchst du also 2 Guzuu-Taler. Kostet etwas 30 Franken, dann brauchst du 3 Guzuu-Taler. Achtung: es wird immer auf 10 aufgerundet! Das heisst, wenn du etwas für 22 Franken verkaufst, kostet es dich auch 3 Guzuu-Taler.

Mit den Guzuu-Talern bezahlst du Guzuu für die Bereitstellung des Shops. Am Anfang schenken wir dir 10 Guzuu-Taler, damit du kostenlos testen kannst, ob dir der Service von Guzuu etwas bringt."

Alle Preise sind in Schweizer Franken (ChF) ausgezeichnet, die Bezahlweise legt jeder Shopbetreiber selber fest.

Das Mitmachen ist nicht auf die Schweiz begrenzt, wie das folgende Shopbeispiel von Meylenstein aus Berlin zeigt:

Shopbeispiel (screenshot: guzuu.com)

Die Shops selber sind einheitlich gehalten, die Shopbetreiber bekommen einige Felder zum textlichen Personalisieren (z.B. Unternehmensphilosophie, ABGs, Entstehungsgeschichte des Labels).
Das Navigieren fällt leicht, weil es übersichtlich und recht logisch konzipiert ist.


Produktseitenbeispiel (screenshot: guzuu.com)

Eine Produkseite ist ebenfalls sehr einfach gehalten, und es bedarf keiner weiteren Klicks zur Bestellung, da das Bestellformular bereits in jede Produktseite integriert ist. Die Bestellung wird per Formular über eine unverschlüsselte Seite abgeschickt.

Jedes Produkt kann von anderen kommentiert, sowie mit einem "love" oder aber mit einem "hate" versehen werden. Hier wäre informationshalber noch zu klären, ob Shopbetreiber jegliche Kommentare und Wertungen auch abstellen können, oder ob man alles über sich ergehen lassen muss (finde ich persönlich gerade in Bezug auf negative Äusserungen problematisch, bei aller Liebe zur Community und Mitmachweb).


Einige Highlights von bereits bekannten Konzepten, die neu adaptiert sind:

Zeitgeist - eins der Schlagworte des frühen web2.0 (wer erinnert sich?), ist der Guzuu-Zeitgeist eine Bestseller-Visualisierung, ähnlich wie z.B. bei Etsy die ehemalige Top Sellers-Liste (die ja eingestellt wurde). Nicht nur das, sondern die weniger beliebten Produkte sind hier natürlich der "Long Tail".

Embedable Shop - sehr praktisch. Den eigenen Guzuu-Shop kann man auf die eigene Webseite per Widget einbetten.

Guzuu API - auch die gibt es bereits (in beta); einmal eine XML zum Laden von Produktdaten, und ausserdem eine CVS-Schnittstelle, um ein Shopinventar zu laden.

Guzuu? - Ähnlich wie Etsy bleibt auch bei Guzuu die Namensgebung ein Geheimnis. Wir lassen uns in dieser Annahme aber auch gerne korrigieren...


Und damit reihe ich Guzuu ein in die Riege der deutschprachigen handmade-Marktplätze mit dem Prädikat "wertvoll" (lies: DaWanda und ShopWindoz).


[hat tip: hackr]

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