June 11, 2009

handmade und die Traumblase


Ein sehr interessanter Artikel von Sara Mosle¹ auf doublex: darüber, wie Etsy "eine falsche feministische Phantasie vertickt" (Etsy peddles a false feminist fantasy).

Der Journalistin ist nun auch aufgefallen, dass die Mehrheit der Shops auf Etsy Frauen gehört, die dort ihre handgemachten, selbstdesignten Produkte zum Kauf anbieten. Sie fragt sich auch, wo denn all die kreativen Männer sind, und warum es ausgerechnet auf Etsy, das ja immerhin von drei Männern gegründet wurde, so wenige davon gibt:

"There are virtually no male sellers on Etsy. If the site is such a great way for anyone to market handmade goods online, then why is it such a female ghetto?"

Mosle schlussfolgert aus dem Frauenüberschuss auf Etsy, dass das Verkaufen und Selbstvermarkten von handgemachten Kleinstserien und Unikaten auf (Seiten wie) Etsy die Folge einer Traumvorstellung ist, der vor allem Frauen zum Opfer fallen. Dass Männer, und es gibt immerhin viele männliche Designer, den realistischeren Blick in Bezug auf die Lukrativität solcher Projekte zu haben scheinen und daher Internetmarktplätzen wie Etsy lieber fern bleiben:

"What Etsy is really peddling isn’t only handicrafts, but also the feminist promise that you can have a family and create hip arts and crafts from home during flexible, reasonable hours while still having a respectable, fulfilling, and remunerative career. (...) There’s little evidence that most sellers on the site make much money. This, I suspect, explains the absence of men. They are immune to the allure of this fantasy. They have evaluated the site on purely economic terms and found it wanting."

Etsy spiele mit seiner Marketingstrategie mit den heimlichen weiblichen Sehnsüchten nach einer erfüllenden kreativen Verdienstmöglichkeit, die von daheim zu erledigen ist, fernab von Büromief und "corporate" Zwängen; mit einem Businessplan, der eher dem einer Lotterie gleiche, wenn er Frauen [Anm.: schon fast American-Dream-Like] vorgaukele, eine Karriere als Etsyverkäufer sei für jeden machbar, dieses Versprechen faktisch aber nur wenigen einzulösen im Stande sei.

Der ganze Artikel mit These, allen Argumenten und Beobachtungen ist komplett hier zu lesen, und ich empfehle ihn wärmstens.

Etsywelt, und das war nicht anders zu erwarten, ist entsetzt und gespalten über diese These, die, wie ich meine, recht realistisch ist. Nur dass es natürlich weh tun muss, so unsanft vor den Kopf gestossen zu werden. Es hätte vielleicht besser auf die Hinterköpfe der träumenden SAHMs gezielt werden sollen...


¹Sara Mosle ist freiberufliche Journalistin, Princetonabsolventin und war Fullbrightstipendiatin an der Universität Oxford. Sie scheibt unter anderem für die NY Times, New Yorker und andere Medien.

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