October 20, 2009

ka-pawww.


Die Essenz bringt's manchmal klarer herüber als endlose Ausführungen. Ich sitze seit einer Stunde und fasse die Sache mit Jack Wolfskin in einen konstruktiven, sachlichen Beitrag zusammen, aber ich werde mich jetzt einfach mal der Worte bedienen, die gerade in meine Inbox getrudelt sind, denn sie sagen überraschenderweise das, was als Ansage an alle in dieser Angelegenheit so langsam fällig wird:

"Bring out the best in others: You can’t control anyone else’s way of speaking and acting. But by upgrading your own way of speaking and acting, you are more likely to bring out a better way of being in the other person."
{Rabbi Pliskin}

Soweit die Worte aus fremder Feder.

Die Kreativen, die sich selber lieber als "Kunsthandwerker" und "Indie Designer" sehen und ihr Label und dessen Ruf mit viel Mühe und Fleiss aufbauen, stehen in der Öffentlichkeit bereits als "Hobbybastler" da, DaWanda als "Bastelportal". Ob das also im Sinne aller Beteiligten gewesen ist?

Und um die Sache kurz aus einer anderen Richtung zu beleuchten: wie viele erhitzte Diskussionen gibt es da draussen, in denen sich Kreative aufregen, ihre Idee sei schamlos geklaut worden, ihr 'Design' sei einfach so kopiert worden? Und nun bitte Finger hoch: wer hat am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, das eigene Design geklaut auf dem Markt zu finden und nicht nur zusehen zu müssen, wie andere damit Geld verdienen, sondern auch noch mit Anbietern ganz anderer Qualität verwechselt zu werden?

Die Vorgehensweise von Jack Wolfskin ist sicherlich hart, vom naiven Umgang mit Social Media ganz zu schweigen. Auch ich habe spontan Sarkasmus daran geübt. Die Kosten, die auf einzelne Personen zukommen (könnten) sind heftig, und auch der Wortlaut einer Abmahnung ist wahrlich kein Freundschaftsantrag, keine Frage. Aber: Heute eine Marke so zu registrieren, dass eine Firma rundum abgesichert ist, grenzt fast an Wahnsinn. Und produziert laufend Kosten. Markenüberwachung und Markenverwässerung sind offensichtlich zwei Schlagwörter, die kaum jemandem geläufig sind. Schade. Denn genau darum geht es, wenn auch in der Vorgehensweise ganz bestimmt nicht zum Gefallen aller. Aber wem ist schon bekannt, dass das Nichtverfolgen vieler kleiner Markenrechtsverletzungen sehr wohl zum Verlust sämtlicher Rechte an der eigenen Marke führen können. Es war nur eine Frage der Zeit bis zur nächsten Abmahnung, denn Jack Wolfskin muss seiner Pflicht nachkommen.

Beispiel was passiert, wenn Markenschutz vernachlässigt wird: die Marke expertic gab es in der DDR und gehörte dem  "Warenzeichenverband für Kunsthandwerk und Kunstgewerbe e.V." in Olbernhau (Erzgebirge). Unter dieser Marke wurde traditionelles Kunsthandwerk wie Nussknacker, Räuchermännel, aber auch Töpferwaren usw. in den Westen exportiert. Nach der Wende wurde die Marke nicht mehr aktiv gepflegt, bis sie sich ein Unternehmer aus dem Westen eintragen liess. Und damit heute Nussknacker und ähnliche 'traditionelle Kunsthandwerksprodukte' in Asien produzieren lässt. Für den internationalen Markt. Was das wirtschaftlich für die traditionellen kleinen kunsthandwerklichen Gewerbe im Erzgebirge bedeutet (die unter dem DDR-Regime oft auch noch enteignet und der Marke expertic zugeführt wurden, unter der man sie im Westen oft nur kannte), dürfte wohl auf der Hand liegen.

Und: die Eintragung einer Marke in diverse Markenklassen ist wichtig, auch wenn sie Euch nicht auf Anhieb einleuchten. Unterstellungen und Mutmassungen sind daher nicht nur sehr naiv, sondern auch sehr unangebracht.

Meine eigene Meinung in dieser Sache: Neue Zeiten erfordern manchmal die Anpassung der Kommunikationspolitik, zum Wohle aller. Das erfahren Unternehmen in Zeiten von Mitmachweb und Social Media in aller Härte. Jack Wolfskin täte gut daran, die hauseigene MarCom-Abteilung und Entscheidungsträger in Sachen Medienkompetenz und Kommunikation zu schulen. In Bezug auf den Anspruch, aktiven Markenschutz zu betreiben, haben sie sich soweit nichts vorzuwerfen.

Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie zur Zeit dargestellt werden. Wäre schön, wenn das inmitten der Debatte nicht übersehen wird. Nur so bleibt die Angelegenheit auf einem erträglichen Niveau für alle.


Eintrag im Deutschen Marken- und Patentamt
Markenklassen nach Nizzaer Klassifikation
Markenschutzinformation

P.S. Diskutieren können wir das hier gerne. Bitte sachlich bleiben und Behauptungen mit Fakten verifizieren. Auf Boykottaufrufe können wir hier gerne verzichten.

P.P.S. (21.10.)Sehr erfreulich: inmitten der sinnlosen Hetzerei und Mutmasserei ein Lichtblick auf markenmagazin.de!




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