Zwei Kommentatoren haben hier in den letzten Tagen auf neue (kreative) Communities im deutschen Web hingewiesen -- leider war nicht zu erkennen, ob es plumpe Eigenwerbung war oder nicht. Trotzdem: danke.
Es werkelt ja bekanntermassen auch in Deutschland, das haben nicht nur bereits die Herren
Friebe und Ramge bemerkt. Und da es mit dem Englischen vielleicht nicht immer so klappt, und da es manchmal auch kulturelle Unterschiede gibt, und da ja überhaupt auch gar nichts dagegen spräche, dass man sich nun auch in Deutschland auf eigene Füsse stellt und es den Kollegen auf der anderen Seite des Atlantik einfach mal nachtut... gibt es also nach
Expli, die ich bereits hier besprochen hatte, und
Creadoo, die hier auch irgendwo schonmal erwähnt worden sind, nun auch
wawerko und
wanaba.
wanaba tut es bereits existierenden Communities wie z.B. Creadoo nach -
und wir bleiben jetzt einfach mal in Deutschland- und versucht, Bastler und Hobbyisten zusammenzutrommeln, die dann Bastelanleitungen und Tips und dergleichen kostenlos der Community zur Verfügung stellen.
Die Seite scheint noch etwas chaotisch im Design, Konzept und Mission/Vision, aber sie ist auch neu und kann daher noch wachsen. Laut
Pressemeldung vom November 2008 ist die Seite noch in beta, gestalterisch ins Leben gehoben hat sie
DSP Media in Düsseldorf, und für den Rest zeichnet laut Impressum die
Adenion GmbH verantwortlich., einen kurzen
Crewüberblick gibt es auch.
Allzu viel kann man als nichtregistriertes Mitglied nicht sehen, und ehrlich gesagt schreckt mich das wenige, was ich sehe, ab, einen Account anzulegen (nicht nachvollziehbar: Ort und Postleitzahl sind Muss-Felder). Dafür hält aber die Presseabteilung Screenshots bereits, m
an schaue also selber. Der Schwerpunkt scheint momentan noch auf klassisch-basteltantigen Topics zu liegen (Scrapbooking, Stempeln...), die Navigation der bereits eingestellten Präsentationen ist allerdings uneingeloggt recht nervig.

Ad-lastig kommt
wawerko daher. Google-Ads, die der hauseigenen "Gallionsfigur" per Sprechblase in den Mund gelegt werden, sowie ein Latinonetwork-gesponsortes DIY-Wunder, das die Herren der Schöpfung warscheinlich in Massen an die Nähmaschinen treiben wird ("
unsere Gianny", GiannaL, Photomodel aus Paraguay, "
DIY has never been so sexy"). Der erste Eindruck fällt nicht gerade
pro-DIY aus.
Gemacht wird die Community von der wawerko GmbH in Dortmund und befindet sich zur Zeit noch in beta. Thematisch kann hier alles zwischen Bastelanleitung, Kochrezept, Alltagskniffs und sonstiges eingestellt werden. Also irgendwie alles, solange man es irgendwie selber machen kann. Und damit hat es sich dann auch schon mit einer DIY-Philosophie.
Bewertungen der vorgestellten Anleitungen/Lösungen/Ideen können vorgenommen werden, auf der Hauptseite gibt es neben Neueinstellungen noch zwei Rubriken, die letzte Bewertungen und Kommentare zeigen.
Auch hier werde ich kein Nutzerprofil anlegen, da mich die Werbung und die, sagen wir mal, Werbepartnerschaften stören.
Fazit: sowohl wanaba und wawerko sind simpel, stellen keine hohen Ansprüche, sind für die Masse gedacht - in anderen Worten, Hype meets Mainstream und hat zumindest auf diesen beiden Seiten Idealismus und natürlich Grassrootishness eingebüsst. Was aber wiederum die Masse nicht kratzen dürfte.
Was mir übrigens auffällt?
Das deutsche Web schläft. Sowohl die Betreiber von KreativCommunities als auch die Kreativen verpassen wertvolle Möglichkeiten, effektives Marketing zu betreiben, das sowohl den Kreativen als auch den Serviceanbietern (also Communitybetreibern) zugute käme. Und damit meine ich, dass, wer den Markt der Kreativen erobern will, umdenken muss. Es ist -nicht zuletzt im Vergleich zum amerikanischen KreativMarkt- sehr offensichtlich, dass die Leute, die hier Kreativcommunities hochziehen, kein rechtes Gefühl für diesen speziellen Markt haben und wissen, wie er tickt, sondern bekannte Standardkonzepte übertragen.
Schlussendlich: was ist das für ein seltsamer neuer Trend im deutschsprachigen Kreativweb? Die seltsamen Namensfindungen stehen natürlich nicht im Zeichen der -r-Welle, aber auch nicht im Zeichen der vierbuchstabigen Kreationen à la "Etsy". Dann eher schon in Anlehnung an "DaWanda", obwohl hier wenigstens noch ein richtiger Name versteckt ist.
Wir sind gespannt, was das deutsche Kreativweb als nächstes
kreativiert.