February 19, 2010

Wenn Hobbyisten und Kunsthandwerker aufeinander treffen


... dann sind nicht immer Sympathien mit im Spiel.

Dass das Kunsthandwerkertum sich gerne von der gemeinen Bastelfraktion unterschieden wissen möchte, habe ich bereits in vielen Beiträgen hier angerissen. Man hat seinen eigenen Stolz, hat viel Geld und Zeit in das Erlernen eines alten Handwerks oder einer besonderen traditionellen Technik gesteckt, und das schlimmste, was offensichtlich passieren kann, wäre nun noch, dass die Kunst durch den Mainstream banalisiert wird.

Schlimmer noch - dass der Bastelmainstream durch vereinfachte Technik an traditionelles Handwerk herangeführt wird. Und sich womöglich auch noch was darauf einbildet.

Beim Preußischen Bleisatz-Magazin schlägt man zum Beispiel die Hände über dem Kopf zusammen (Kommentar #20) ob der Nachricht, dass es in den USA nun einen Heimapparat für Letterpress gibt. Allein schon am Wort "Letterpress" scheitert das deutsche Kunsthandwerkerverständnis (mit mitunter leicht missverständlichen Grussformeln, Kommentar #27) für einen neuen Trend, alte Techniken -wenn auch modifiziert- wieder aufleben und der Masse zugänglich zu machen. Aber auch dieser Trend trägt zum Erhalt eines traditionellen Kunsthandwerks bei, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag.

Und das ist eigentlich schade, aber gleichzeitig auch eine unglaublich typisch deutsche Geisteshaltung: vor dem einfachen Ausprobieren kommt immer erst eine lange, ermüdende Grundsatzdebatte zur Begriffsklärung, dann die Feststellung, dass Modifikationen nicht den Ansprüchen der "Gilde" zur Genüge gereichen, dann, dass Laien sowieso keine Ahnnug haben. So stellt sich das Handwerk nur selbst ein Bein.

Gut, soll das traditionelle Handwerk unter sich bleiben und in exklusiver Runde diskutieren, bis der Kopf raucht. Festzustellen bleibt aber, dass es gerade der aktuelle Trend zu Handgemachtem ist und die damit verbundene Leidenschaft, auch einmal Neues zu probieren, ohne einen Meisterbrief in der Tasche zu haben, der zum Erhalt des traditionellen Handwerks beiträgt -- und keinesfalls, wie es manchmal mitklingt, echte Konkurrenz bedeutet. Denn hier sind die Diskussionen offen und werden in der Regel auf einer Ebene geführt, die auch Laien anspricht und durch -sorry, noch 'ne Anglizisme!- Hands-On-Action die Neugier auf die "richtige" Sache erst so richtig weckt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: eine Arbeit sollte ordentlich ausgeführt werden, und Techniken gibt es nicht, weil einem das Leben schwer gemacht werden soll. Aber das ungezwungene Experimentieren mit der Materie ist unbezahlbar und darf auch dann geschehen, wenn es um die Technik noch nicht so gut bestellt ist.

Ich persönlich hänge mir lieber einen schönen, unkonventionellen Letterpressbogen an meine Studiowand als einen Eichenlaubkranz. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

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