April 10, 2010

handmade.Interview: manomama (Baker's Dozen Edition)


Vor genau einem Monat hatte ich hier Euer Augenmerk auf manomama gelenkt, einem jungen Unternehmen aus Augsburg, das zwei Ziele verfolgt: ökologisch korrekte Bekleidung produzieren und damit gleichzeitig in Augsburg eine Tradition fortführen; denn diese Stadt ist eigentlich einer der traditionellen Textilproduktionsstandorte in Deutschland. Dass dabei trendige Stücke herauskommen, die alles andere als "ökig" sind, beweist Euch manomama ab heute!

Sina Trinkwalder ist die Gründerin von manomama, über die Ihr via Twitter, Facebook, YouTube und nicht zuletzt in den letzten Wochen sehr intensiv im manomama-Blog mehr erfahren konntet. Sinas Vision und Energie, ihre Zuversicht und Einstellung zu Businessangelegenheiten macht dieses Unternehmen so besonders. Gekrönt wird es durch Meschen, die so denken wie sie und die sie seit Monaten tatkräftig unterstützen - weil sie alle überzeugt sind, dass es auch anders geht.

Zum Start von manomama könnt Ihr heute das versprochene Interview mit Sina hier auf handmade2.0 lesen - diesmal wieder eine Baker's Dozen Edition!



h2.0: Die Frau hinter manomama -- wer bist Du, was machst Du, und woher kommst Du?
Sina: Mein Name ist Sina Trinkwalder, Baujahr 78. Als gebürtige Fränkin
landete ich früh in Augsburg und war die letzten 13 Jahre Werber in
der eigenen Agentur gemeinsam mit meinem Mann und 14 Mitarbeitern.

h2.0: Stichwort "Augsburg", da fällt mir immer "Augsburger Puppenkiste"
ein,"Nostalgie" und Phrasen wie "Früher war alles besser". War früher
alles besser? Sollten wir uns beim Konsumieren wieder eine gewisse
Bescheidenheit zulegen, rein aus Vernunft natürlich, und nicht aus Not
oder Knappheit?
Sina: Früher war früher halt auch schon früher. Wenn wir beispielsweise den
Zeitpunkt "früher" auf die 50er/60er-Jahre zu Zeiten des Wirtschaftswunders festlegen, dann kann man nicht gerade behaupten, dass damals bescheiden oder besonders bewusst konsumiert wurde. In Zeiten, in denen beschränkt konsumiert wurde, waren meist Krisen und die entsprechende Knappheit dafür verantwortlich. Ich glaube, dass der Mensch an sich nicht bescheiden ist. Der Lebensstandard ist immer weiter gestiegen und wir haben eine Hand voll echter Luxusprobleme.
Luxus und Konsum zu verteufeln liegt mir fern. Wir müssen aus meiner
Sicht nur zwei Dinge ins Bewusstsein der Menschen rücken: 1. Konsum
und Gefühl wird gerne mal miteinander vermischt. 2. Wenn wir konsumieren, sollten wir kritische Konsumenten sein und genau begutachten, was wir da kaufen.

h2.0: Wie bist Du auf die Marke "manomama" gekommen, und was sollen Deine Kunden damit einmal verbinden?
Sina: Die Idee spukt schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. An
allen Ecken wird gejammert, die Lösung mancher Probleme wird passiv zurückgelehnt von der Politik erwartet und kaum jemand will so richtig anpacken. Als Unternehmerin dachte ich mir: Da musst du was tun.
Frauen wieder in den Job bringen, gute und korrekte Kleidung herstellen und so manches, was selbstverständlich sein sollte, wieder ins Bewusstsein der Leute rutschen. Hinter manomama stecken überwiegend Frauen - ein Großteil davon Mütter. Der Name war daher naheliegend. Verbinden sollen die Kunden damit 100% öko-soziale Bekleidung, die in Deutschland zu fairen Preisen gefertigt  wird.



h2.0: Wer wird also bei manomama kaufen?
Sina: All jene, die sich vor dem Kauf Gedanken über die Produktionsbedingungen und die damit verbundene Preisgestaltung machen, kurz: strategisch konsumieren.

h2.0: Warum ist es Dir wichtig, aktiv und auf der unternehmerischen Seite verantwortungsvolles Konsumverhalten zu unterstützen? Reicht es nicht auch, verantwortungsvoll zu kaufen und drüber zu bloggen?
Sina: In erster Linie möchte ich sinnvolle Arbeit für Benachteiligte schaffen und das mit Produkten, die verantwortungsvolles Konsumverhalten möglich machen. Ich will nicht verbal auf einem Blog kritisieren und mir faule Ausreden anhören, ich will einfach beweisen, dass es anders geht. Einfach machen.

h2.0: Aus dem Gründernähkästchen: wie gründerfreundlich ist Deutschland eigentlich?
Sina: Die Frage der Gründerfreundlichkeit hat sich mir so nie gestellt, weil ich nie auf staatliche Unterstüzung angewiesen war. Die Menschen in Deutschland sind dafür für gründerfreundlicher als man es glauben könnte. Wildfremde Menschen unterstützen mich und manomama, weil sie an die Philosophie glauben - das ist beeindruckend.

h2.0: Stichwort "Crowdsourcing": Wer trägt momentan zum Werden von manomama bei? Und: wen wird manomama in Zukunft ernähren?
Sina: Momentan sind wir ein Team von 6 Leuten, das manomama aufbaut.
Ernähren wird manomama zukünftig außerdem noch viele, viele Näherinnen
und Manomamas. Prognosen diesbezüglich kann ich noch nicht treffen.
Wir wollen langsam, dafür aber stetig und gesund wachsen.

h2.0: Wenn Du in die Produktionsstätte oder Kreativschmiede einer Personoder eines Unternehmens schauen dürftest, wer würde das sein und warum?
Sina: Da geh ich runter in unser Atelier, in dem Lena, die Schnittdirectrice, tagein tagaus meine Zeichnungen zu tragbaren Kleidungsstücken verwandelt.



h2.0: Leute, die Du ohne zu zögern weiter empfiehlst:
Sina: Jeder ist es wert empfohlen zu werden, weil jeder etwas Besonderes ist.

h2.0: Bücher, die jeder gelesen haben muss, der sich fürs Konsumieren interessiert:
Sina:
Peter Unfried: Al Gore, der neue Kühlschrank und ich
sowie
Leo Hickman: Fast nackt!

Wer sich aber wirklich fürs Konsumieren interessiert, der sollte mehr
nachdenken als Bücher lesen.

h2.0: Was macht Sina Trinkwalder in ihrer Freizeit?
Sina: Wenn mal wirklich komplett freie Zeit verfügbar ist, dann verbringe ich die im Tonstudio bzw. am Flügel. Musik ist meine Leidenschaft.

h2.0: Fast Forward, es ist 2014. Du schaust aus dem Fenster - was siehst Du?
Sina: Ich weiß nicht so recht, ob ich 2014 schon wieder Zeit haben werde, um
in aller Ruhe aus dem Fenster zu schauen.

h2.0: Words of (Indie) Wisdom: Dein Top-Ratschlag für alle, die ihr eigenes kleines Unternehmen gründen wollen?
Sina: manomama ist in dieser Form nur möglich, weil wir nicht klein gründen.
Viele Dinge lassen wir speziell für uns produzieren, weil es sie so nicht in einer unseren Anforderungen entsprechenden öko-Qualität gibt. Das wäre für kleinere Firmen kaum möglich. Ich bin Anfang 30 und habe bereits viele Jahre in der eigenen Agentur hinter mir, so dass es mir jetzt möglich ist, das dort verdiente Geld anderweitig zu investieren. Ich empfehle allen Gründern generell, dass sie sich Mitstreiter und Unterstützer suchen, die aufbauen, motivieren und in den Hintern treten - denn all das wird irgendwann in der Gründungszeit jeder mal brauchen.



Vielen Dank, Sina, für Deine Zeit und für das Interview! 
Für manomama alles Gute und viel Erfolg!





Photos: ©manomama, mit freundlicher Genehmigung
Collagen: handmade2.0

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