July 28, 2010

Sommerfrische.Intermezzo: Omas Sattelschutz ist wieder da


Dieser Beitrag wurde erstmals am 18.4. 2009 gepostet und für das Sommerfrische.Intermezzo 2010 extra für Dich aus den Tiefen des handmade2.0-Archivs geholt. Viel Spass bei der Lektüre! 







Nun sag' nochmal einer, Nostalgie habe ihre Grenzen. Hat sie nicht.

Nachdem ja 2007 auf DaWanda das Klorollenversteckerdings gefeiert wurde, häkeln sich dänische Craftistas die Finger wund, weil Omas Fahrradsitzschoner grosses Comeback feiert (wer's nacharbeiten will: diese crafty Bloggerin hat sich um eine Übersetzung ins Englische bemüht). Warscheinlich wird es dieser Trend nicht bis in die Brigitte oder Freundin oder Burda schaffen, aber gerade das macht einen wahren Indietrend aus. Ätsch.

Und wer weiss... vielleicht veröffentlicht demnächst ja noch jemand eine Anleitung für Speichenschützer? Handmade, natürlich.

July 26, 2010

Sommerfrische-Intermezzo: Kennen Sie Maslow?


Dieser Beitrag wurde erstmals am 21.9. 2007 gepostet und für das Sommerfrische.Intermezzo 2010 extra für Dich aus den Tiefen des handmade2.0-Archivs geholt. Viel Spass bei der Lektüre!




Nein? Sollten Sie aber.


Die FAS vom 16. September brachte einen sehr schönen Artikel von Patrick Bernau über Konsumverhalten und über Menschen, die das Konsumverhalten von Gesellschaften überall auf der Welt beobachtet und Schlüsse daraus gezogen haben: "Was die Welt bald kauft" beschreibt, dass das Konsumverhalten auf der Welt gar nicht so unterschiedlich voneinander ist. Nur: die Wünsche und Sehnsüchte in Bezug auf das Konsumieren sind stark gekoppelt an die jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklungsstände in einem Land, und daher fällt es vielen vielleicht nicht auf. Patrick Bernau beschreibt das an dem vierstufigen Konsummodell von Ronald Haddock und Alonso Martinez, das zeigt, welche Grundbedürnisse Menschen in der jeweiligen Stufe zu stillen verlangen.

Und doch sind Haddock und Martinez nicht die ersten gewesen, die, jedenfalls in Bezug auf die psychologischen Hintergründe, diese Übereinstimmungen im menschlichen Konsumverhalten überall auf der Welt in ein Schema gefasst haben - Abraham Maslow hatte bereits 1943 seine "hierarchy of needs" publiziert. Das maslowsche Modell unterteilt sich in fünf statt vier Ebenen, aber im Grunde stimmen beide Modelle darin überein, dass mit der Steigerung der Lebensqualiät auch der Qualitätsanspruch im Wünschen steigt: von der Absicherung des eigenen körperlichen Wohls, über die Verbequemlichung (mir will gerade kein anderes Wort in den Kopf kommen!) des täglichen Lebens bis hin zur Selbstverwirklichung und damit zum Wunsch, sich selber durch indivudalisierten Konsum von anderen abzuheben und dafür soziale Anerkennung zu ernten.



Phase 1: Wohnen, Essen, Trinken



Phase 2: Qualität



Phase 3: Verbequemlichung



Phase 4: Individualisierung


Und irgendwie kommt doch dieser Artikel zeitlich so passend: nachdem wir nun seit immerhin fast sieben Jahren sehen, und am umfassendsten über das Internet, wie die handmade-Bewegung an Popularität gewinnt, wie sich seit 2005 Marktplätze wie Etsy und DaWanda an die Öffentlichkeit wagen, und wie sich nach und nach immer mehr Menschen trauen, ihre selbstgemachten, nicht-massenproduzierten Produkte per Internet oder per sogenanntem Brick-and-Mortar-Shop an die Menschen zu bringen, ist es nun an der Zeit, dass wir auch beginnen, diese Entwicklungen in (er-)klärende Worte zu fassen.

Der ganze Artikel ist online und hier zu lesen. Empfehlenswert!

July 22, 2010

Jetzt aber: Sommerfrische 2010




Der Monat ist fast um, und die bereits angekündigte Sommerfrische steht an.

Nach sieben Jahren der Bloggerei und Recherchiererei, der Blogumzüge und -crashs, der Wiederherstellung und der Puhlerei in Archiven, darf die Pause auch endlich mal ein wenig länger ausfallen. Soll ja bekanntlich frischen Wind und neue Ideen in die Enge des Gehirns bringen.

Damit es hier nicht allzu ruhig wird, bringe ich Euch regelmässig Funde aus den handmade2.0-Archiven (ja, alles automatisiert), die Ihr vielleicht noch gar nicht kennt, oder die Ihr eigentlich schon längst mal wieder lesen und vielleicht sogar weiterempfehlen wolltet (mit 'nem schönen Gruss von mir). Dazu wäre ja dann nun Gelegenheit. Keine Scheu vor Kommentaren, denn die landen alle in meiner Emailinbox und werden dann auch freigeschaltet.

Wer mich ausserhalb von handmade2.0 erreichen möchte oder muss, kann dies per Email tun, ich freue mich drüber.

Gegen Ende des Sommers geht es dann weiter mit neuen handmade.Interviews, für die ich bereits tolle Meschen interviewt habe, mit neuen Ideen und einem -wenn alles steht- neuen Layout, und einigen Sachen mehr.

Aber bis dahin....

... wünsche ich uns allen einen schönen Sommer!

Etsy führt internationale Währungen ein


Etsy wird in Kürze endlich mehr als nur US-Dollar anzeigen - in Zusammenarbeit mit PayPal werden Käufer in den kommenden Tagen ihre Währungspräferenz aus insgesamt 23 Währungen aussuchen können. Vorerst wird es diese Option leider nur für Käufer geben; Shopinhaber müssen bis auf weitere Zeit nach wie vor ihre lokalen Preise in USD umrechnen und ihre Preise regelmässig manuell angleichen, etwa, um keinen Verlust bei sehr schwankender Währung zu machen.

Für Shops mit vielen eingestellten Produkten ist dies bislang immer wieder eine erhebliche Belastung gewesen, die einen beachtlichen Teil der investierten Arbeit in Anspruch genommen hat - wer geschäftsorientiert denkt und  sich daher diesen Aufwand bezahlen lässt, hatte seine Preiskalkulation entsprechend anzupassen und damit oft auch noch einen Nachteil gegenüber der US-amerikanischen Konkurrenz zu fürchten.

Die Währungsraten werden mehrmals am Tag via PayPal auf dem jeweils aktuellsten Stand gehalten. Besuchern, die Etsy über nicht-US-amerikanische IP-Adressen ansteuern, wird einmal pro Seite mit Preisangaben automatisch ein Overlay mit Währungsoptionen angeboten. Bislang ist leider nicht klar, ob damit ein Overlay pro Session oder pro Seite geplant ist. Bei einem ausgedehnten Shoppingbesuch könnte letzteres nervig werden.

In einem weiteren Schritt wird Etsy nach eigenen Angaben bald auch ein Währungspaket für Verkäufer einführen, mit welchem sie festlegen können, in welcher internationalen Währung sie ihre Produkte anbieten möchten. Die Aufteilung des Meilensteins "currency conversion" in zwei Pakete entpuppt sich zur Zeit leider als Nachteil für Verkäufer, die ihre Produkte auf Etsy teurer einstellen müssen als zum Beispiel auf anderen Marktplätzen in ihrem eigenen Land.

Etsys neuer alter CEO Rob Kalin hatte 2010 eigentlich enthusiastisch und mit Paukenschlag als das Jahr für Etsy angekündigt und gleich noch eine Serie mit Roadmapreports versprochen - davon hat er die Teile für März und April zeitnah abgeliefert; der für Mai versprochene dritte Teil, sowie folglich auch die für Juni und Juli, steht immer noch aus, und auch sonst hüllt Rob Kalin sich momentan in Schweigen. Auch hinsichtlich der anhaltenden Gerüchte, Etsy suche schon wieder nach einem neuen CEO.

Ob Etsy in diesem Jahr wirklich noch Top-Kandidat für einen Börsengang bleibt, wie Techcrunch im vergangenen Dezember überlegte (Platz 7 auf der Techcrunch-Liste), wird sich zeigen.

July 20, 2010

Mass Customization, die (gefühlte) 199.: pluddel.de


Nicht nur, dass "Mass Customization" voll im Trend liegt - ich weiss aus den Diskussionen auf meinen Daily-Reads (a.k.a. Blogs) und aus einigen Foren, dass nach Stickbildern (Fliegenpilze, Rehe, you name it), Webbändern, Stempeln, Stoffen, Frühstücksbrettchen und der kompletten Pausenbrotgarnitur auch immer wieder nach Geschenkpapier gefragt wurde. Also, wie und wo man sein eigenes drucken lassen kann.

Und dann wieder mal das grosse Schweigen im Wald.

In der Regel kann man seine eigene Auflage Geschenkpapier in jeder Druckerei, ob nun online oder offline, drucken lassen. Da macht ein wenig Preisrecherche Sinn, denn obgleich es der Druckbranche in Deutschland immer noch nicht besser geht, gibt es natürlich je nach Spezialisierung der Häuser Unterschiede in Preis und Leistung.

Und dann -ich komme zum eigentlichen Thema "Mass Customization" zurück- empfehle ich allen, die von Druckereien, Druckvorstufe und überhaupt dem ganzen Thema Print keine grosse Ahnung haben, aber dennoch gerne eigenes Geschenkpapier für den Heimgebrauch drucken lassen möchten, einfach mal bei Pluddel vorbeizuschauen:

screen: pluddel.de

Auf Pluddel kann man sein eigenes Geschenkpapier zusammenbasteln und drucken lassen - entweder, man nutzt dazu bereits vorhandene Hintergründe und Grafiken, gesellt per Texteditor noch ein wenig Text hinzu, oder man lädt sein eigenes Design hoch und macht damit weiter.

Pluddel ist bereits Anfang des Jahres gestartet; es gab bislang etwas Presse über das kleine Startup aus Düsseldorf, das Tina Eichner und Sissi Schneider ins Leben gerufen haben, aber in kreativen Kreisen scheint es sich noch nicht so ganz herumgesprochen zu haben.

Die Preise für die Geschenkpapierbögen fallen natürlich nicht so aus, wie man es aus dem Einzelhandel gewöhnt ist. Der kleinste Bogen (90x61cm) kostet 11 Euro, der grösste (150x61cm) 19 Euro, die Versandkostenpauschale liegt bei 4,90 Euro.

Bevor nun wieder einige schreien, die Preise seien ja unverschämt -- es handelt sich hierbei nicht um einen Anbieter, der Euch ein Produkt für Euren Wiederverkauf produziert (da müssen Gewerbetreibende dann wirklich zum Drucker gehen), sondern um ein Produkt aus der Abteilung "Mass Customization". Hier geht es in erster Linie um Individualität und um ein wenig Spass.

July 17, 2010

DaWanda startet neues Verkäuferportal


Ich hatte vor einigen Wochen bei DaWanda mal angeregt, dass das Portal mit Verkäufertips um Längen verbessert, organisiert und ausgebaut werden könnte - besonders, weil die DaWanda-Foren regelmässig Zeugnis darüber ablegen, wie wenig Verkäufer eigentlich über ihre Rechte und Pflichten bescheid wissen, ganz zu schweigen von Dingen wie Marketing und ein wenig Betriebswirtschaft.

Natürlich ist DaWanda nur eine "Venue", also ein Marktplatz, der seinen Kunden die technische Infrastruktur für einen gehosteten Webshop bereitstellt; theoretisch sind sie nicht verpflichtet, ihren Kunden (a.k.a DaWanda-Verkäufern) auch noch Nachhilfe in eCommerce zu geben. Aber das Gehen dieser kleinen Extrameile zahlt sich, Stichwort Kundenbindung, eben doch tausendfach aus, denn die Nutzer fühlen sich unterstützt und mit ihren Problemen nicht allein gelassen. Das wiederum gibt positives Feedback, lies PR, im Web.

Zu meinem Entzücken hat DaWanda nun ein neues bzw. komplett überarbeitetes Verkäuferportal gestartet, das wunderbar übersichtlich und inhaltlich ansprechend ist:

screenshot: DaWanda

In Zusammenarbeit mit den "hauseigenen" Anwälten gibt es rechtliche Tips und Beispiele, die den Einstieg in richtiges Verkaufen erleichtern sollen, in Sachen "Shop" gibt es klare Anleitungen, wie man am besten an das Eröffnen eines DaWanda-Shops herangeht, und einige weitere Themen mehr. Und das Portal wird in Hinblick auf Themen und Hilfestellungen sicher beständig wachsen.


screenshot: Etsy Deutschland


Im Gegensatz zum deutschen Etsyableger sind DaWanda sehr sorgfältig und gewissenhaft vorgegangen, besonders in Bezug auf rechtliche Themen. Etsys deutsche Shop- und Verkäufertips sind leider nur mit Vorsicht und ohne Vorkenntnis überhaupt nicht zu geniessen, da sie einfach nur aus dem Englischen übersetzt wurden (und das leider auch noch unprofessionell, ich muss es einfach mal so sagen), ohne zu überprüfen, ob das, was in den USA geht, auch hier greift. So geht man einfach nicht mit potentiellen Kunden (a.k.a. deutschen Verkäufern) um.

Weiter so, DaWanda!

July 14, 2010

Intermezzo: Epic Six Letterpress-Tip


Im vergangenen November hatte ich kurz über eine Letterpressmaschine für den Heim- und Hobbygebrauch geschrieben, die in den USA im Herbst ganz neu auf den Markt gekommen war: die Epic Six Letterpress (als Kombo Kit) von Lifestyle Crafts.


Ich habe seit meinem Beitrag immer wieder Anfragen bekommen, wo man die Maschine und das reichhaltige Zubehör hier in Deutschland und Europa kaufen kann, und auch via Google-Suche tauchen immer wieder Anfragen auf. Bislang gibt es die Produktreihe hier nicht zu kaufen, man müsste also alles aus dem Ausland bestellen und mit entsprechenden Zöllen und Portokosten rechnen.

Einen Hinweis habe ich aber für Euch, den ich ausnahmsweise mal einfach so weitergebe: ab morgen (Donnerstag) bietet jemand auf eBay seine kurz angetestete Maschine und einiges Zubehör an. Die Startpreise für die jeweiligen Auktionen sollen wie folgt aussehen (für eventuelle Änderungen und Abweichungen bin ich nicht verantwortlich!):

  • Epic Six Letterpressmaschine: 50 Euro
  • Starterset: 50 Euro
  • Tinte (rot und grau): 5 Euro
  • Papier (50 flache Karten mit Umschlägen, originalverpackt): 10 Euro
  • Weiteres Papier (195 Faltkarten mit 125 Umschlägen, originalverpackt): 60 Euro

Vielleicht interessiert es ja die eine oder andere Craftista - man weiss ja nie.

July 12, 2010

Sommergoodie: Tutorials für Stoffdesign


Die Sommerfrische rückt immer näher, und ich habe noch ein paar Goodies für alle, die sich diese Tage mal näher mit dem Thema "eigenen Stoff designen" befassen wollen, um stoff'n (oder Spoonflower) zu testen.

Das Thema "Rapport" beschäftigt offensichtlich einige, sowie sicherlich auch das Thema "Welche Software benutzen?". Wozu ich Euch sagen kann: viele Wege führen nach Rom! Wichtig ist vor allen Dingen, dass Ihr versteht, worum es geht, dass Ihr Eure Software kennenlernt sowie Grundlagen der digitalen Gestaltung (also z.B. Anlegen von Arbeitsdateien, Formate, Einheiten, Auflösungen, Farbräume usw.), denn wenn diese Dinge verstanden sind, habt Ihr es viel leichter, egal mit welcher Software.

Katja von stoff'n hat Euch bereits ein tolles Tutorial für das Erstellen eines Rapports in PhotoShop gedreht. Ich habe nun zwei Tutorials gemacht, in denen ich erkläre, wie man in Adobe Illustrator einen Rapport (ein fortlaufendes, nahtloses Muster) erstellt, für alle, die lieber mit Vektorsoftware wie Illustrator arbeiten. Beide Anleitungen erklären die grundlegenden Prinzipien - wenn die einmal verstanden sind, könnt Ihr sie weiter ausbauen und abwandeln, um Euer ganz spezielles Muster zu erstellen.

In Teil 1 erkläre ich, wie man ein Objekt gleichmässig horizontal und vertikal verteilt, und zwar unter Zuhilfenahme dreier Tools, die das exakte Platzieren und Wiederholen des Objekts und seiner Kopien ermöglichen, wobei auch gewährleistet wird, dass überhängende Objekte genau rapportieren:




Teil 2 dreht sich um das Erstellen eines Rapports mit wild durcheinander angeordneten Objekten; hier geht es dann darum, die Randbereiche der Designfläche so zu gestalten, dass alle überhängenden Objekte auch exakt rapportieren:




Die Tutorials könnt Ihr auch auf stoff'n sehen, denn da sind sie nun Bestandteil der hoffentlich stetig wachsenden Bibliothek hilfreicher Tips und Tricks.

Bei Fragen und Problemen könnt Ihr jederzeit Kommentare oder Emails schreiben.


Ein weiteres Goodie für Euch: zwei Artikel zum Thema Textildesign und Software.


Die Designerin Anna Maria Lòpez hat für Corel Draw eine Anleitung zum Thema Textildesign geschrieben (dt. / engl.).

Melanie Bowles, Ceri Isaac: "Digitales Textildesign", 2009.




July 6, 2010

handmade.Interview: stoff'n




Das letzte handmade.Interview, bevor handmade2.0 ausgedehnt Sommerfrische tanken geht. Dafür habe ich mir eine ganz besondere Interviewpartnerin geschnappt und ein wenig ausgequetscht: Katja von stoff'n. Denn nachdem stoff'n so gut angelaufen und unter Deutschlands Craftistas in aller Munde ist, wollt Ihr bestimmt noch ein wenig mehr über die Gründerin wissen, nicht wahr.


h2.0: Die treibende Kraft hinter stoff'n -- wer bist Du, was ist Dein beruflicher Hintergrund, woher kommst Du?
Katja: Ich bin eine Berliner Pflanze. Da ich gerne etwas gestalte, habe ich  Produktdesign studiert und 3 Jahre als freier Designer gearbeitet.

h2.0: Als Designerin kommst Du ja aus der kreativen Szene und hast ausserdem auch noch langjährige Berufserfahrung - wie bist Du auf das stoff'n-Konzept gekommen, und was kann man auf stoff'n eigentlich machen?
Katja:  Nun gut, ich bin Designer, aber leider auch eine Nähniete. Da sehe ich mich eher als interessierter Zuschauer vor. Im Job als Designer habe ich durch die Auftraggeber gesehen, dass fast jeder gern gestaltet. Wie gut das Ergebnis wird, hängt oft nur von Erfahrung, Wissen über Produktionsverfahren und dem passenden Werkzeug ab. Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist ein lang gehegter Traum und ich suchte also etwas, was viele gerne gestalten würden, aber als Normalsterbliche nicht können, weil die technischen Möglichkeiten nur Profis zur Verfügung stehen.

Ganz Frau um die 30, mitten in der Nestbauphase,  schienen mir Heimtextilien eine tolle Idee. Während ich probierte, recherchierte, scheiterte, neu probierte, wurde das Konzept immer simpler und letztlich blieb die stoff'n-Idee: individuelle Stöffchen mit eigenen Mustern und Motiven.


(Von wegen Nähniete -- Katjas früher Nähversuch!)


h2.0: Und für alle, die es noch nicht wissen: wie bist Du auf "stoff'n", den Namen für Deinen Custom-Fabric-Marktplatz, gekommen?
Katja: Der merkwürdige Name ist dem Maulwurf'n von René Marik zu verdanken. Dieser kleine sprachgestörte, ungeduldige und leicht exzentrische Erdling ist einfach genial. Was soll ich sagen? Es ist Liebe und ich konnte nicht anders. Jetzt heiߟt es eben stoff'n.

h2.0: An wen richtet sich stoff'n?
Katja: In erster Linie richtet sich stoff'n an die passionierten Nähfeen, meist Frauen von Anfang 20 aufwärts, die in ihrer Freizeit gerne nähen. Handarbeit hat längst ihr angestaubtes Hausfrauenimage abgelegt. Es geht nicht mehr um Socken stopfen und Hemden flicken, sondern um Individualität. Wer nähen kann, ist unabhängig von Massenware und unpraktischen Standards. 

Viele sind Mütter, nähen für sich, ihre Kids und oft auch für andere, indem sie ihre Werke bei DaWanda, Etsy oder auf Märkten verkaufen.





h2.0: Du hast mit stoff'n einen ziemlich guten Start hingelegt - inklusive Bestellungen aus Europa, gleich in den ersten Tagen. Wie geht es dieses Jahr noch weiter, planst Du schon neue Features?
Katja: Ja, der Start war unglaublich und ich hab noch eine soooo groߟe Ideenkiste. Jeder Euro wird also sofort in den Ausbau investiert, z.B. wird es regelmäߟig Wettbewerbe geben, bei denen alle online abstimmen können. Der Mustermacher soll um ein paar Features vielseitiger und noch praktischer werden. Eine englischsprachige Fassung ist in Arbeit, damit sich Finnen, Norweger, Schweden usw. nicht mit Deutsch quälen müssen. Ein Bonussystem ist auch in Arbeit und ich grübel ausserdem über eine schnieke Möglichkeit, seine Lieblingsmuster im eigenen Blog einzubetten oder vielleicht als Desktophintergrund herunterzuladen. Oh, eine App für's iPhone wäre noch so ein Traum… Eben viele Ideen, die jetzt alle Schrittchen für Schrittchen angegangen werden.

h2.0: Mass Customization und The New Handmade -- zwei Trends, die noch lange bleiben und das Konsumverhalten vielleicht auch positiv verändern können?
Katja: Da bin ich mir sicher. Hier könnte man einen designtheoretischen Aufsatz schreiben. Im Grunde schlieߟt sich der Kreis: Mit der Industrialisierung entstand ein Kluft zwischen Produzent und Konsument. Zwar konnten Dinge billiger hergestellt werden, aber beide Seiten verloren den Kontakt und die schöne Frage, "Was will der Kunde eigentlich?" tauchte auf. Diese versuchen nun seit Jahrzehnten Designer und Marketingspezialisten zu beantworten - mit teils mäߟigem Erfolg. Massen- und Üœberproduktion nach dem Motto "Irgendwas davon wird schon passen!" sind die Folge. Jetzt kommen wir endlich wieder an den Punkt, wo Konsumenten sagen können, was sie wollen und brauchen. Ja besser noch, sie können es selbst gestalten. Sie sind also Prosumenten. Das ist besser als Baukastensysteme und individualisierbare Stangenware. Mass Customization ist unaufhaltbar und The New Handmade ist das Tüpfelchen auf dem i.




h2.0: Was inspiriert Dich, wenn Du nicht am Arbeitstisch sitzt?
Katja: Gespräche.

h2.0: Wenn Du in die Produktionsstätte oder Kreativschmiede einer Person oder eines Unternehmens schauen dürftest, wer würde das sein und warum?
Katja: Spoonflower. Ich würde gerne mit dem Gründer plaudern. Auf unterschiedlichem Weg an zwei Enden des Globus die gleiche Idee zu haben, ist erschreckend und schön zugleich. Stefan Raab würde ich auch gern über die Schulter schauen, wenn er eine neue Idee hat und sie in die Tat umsetzt. Man kann ihn mögen oder auch nicht,  aber die Willensstärke und Kreativität dieses Querkopfs finde ich bewunderswert.

h2.0: Zwei Bücher, die Du anderen Indiepreneuren empfehlen würdest?
Katja: Passe. Mir ist Netzwerken und mit anderen Gründern und Indiepreneuren zu schnattern lieber.

h2.0: Words of (Indie) Wisdom: was würdest Du Kreativen raten, die ihr eigenes kleines Indielabel gründen wollen?
Katja: Fehler machen, und zwar viele kleine und möglichst früh. Das klingt erstmal doof und frustrierend, aber wer neues schafft, kommt um Lernen durch Versuch und Irrtum nicht herum. Aus jedem Fehler kann und muss man lernen. Wenn sie klein sind, führen sie netterweise nicht zum Scheitern, aber zur Optimierung. Am Besten gleich noch aus den Fehlern anderer lernen, also netzwerken mit andern Gründern und Unternehmern. Vielleicht lassen sich Teile ihrer Erfolgsstrategien auch nachahmen.

Ich bin zur Gründerinnenzentrale gegangen, um mich mit jeweils 4 anderen GründerInnen regelmäßig austauschen zu können. Das ist super. Es treibt einen an. Man lernt voneinander. Gibt es Grund zur Freude, kann man sie teilen. Bei Rückschlägen wird man aufgefangen und merkt, dass es normal ist und die anderen auch nur mit Wasser kochen.

Vielen Dank, Katja, für Deine Zeit und für dieses schöne Interview -- 
und für stoff'n sind unser aller Daumen gedrückt!


Produktphotos ©Katja Locke/stoff'n
Collage: handmade2.0

July 2, 2010

Spoonflower Love {3}


Wer bei "eigenen Stoff selbst designen und drucken lassen" lediglich an Muster denkt, hat das unglaubliche Potential der neuen Dienste für Custom (Digital) Textile Printing wie zum Beispiel Spoonflower (USA) und stoff'n (Deutschland) noch nicht ganz erfasst. Auf einen Meter bzw. einen Yard geht so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann.

Daher in der heutigen Spoonflower Love-Folge: Handpuppendesigns - alle auf einen Yard ausgelegt.




Snow White and Rose Red Puppets
Snow White and Rose Red Puppets by mytinystar


Animal Friends Puppets
Animal Friends Puppets by pixeldust



stuffed vegetables: roots of some evil!
stuffed vegetables: roots of some evil! by giolou


Robot Dolls - Teal and Magenta
Robot Dolls by jesseesuem



handmade.Termin: DIY Upcycling @Open Design City Berlin


.... und noch ein heisser Tip für Sonntag, den 4. Juli 2010:



flyer: upcycle.it

In der Open Design City (im betahaus) Berlin findet am Sonntag ein Upcyling-Workshop der besonderen Art statt. Unter dem Motto "Living Room Edition" sollen aus Kunststoffen, alten (Wasch-)maschinen, Alttextilien und -papier neue Möbel, Dekoartikel und alles, was man sonst noch gerne im Wohnzimmer haben möchte, entstehen.

Upcycle It! findet zum ersten mal statt  und ist ein Projekt vom Kulturlabor Trial & Error (Berlin) und Ye too ponese (Asturien, Spanien).


Der Workshop ist kostenlos, aber Materialspenden sind absolut erwünscht. Wenn Ihr also daheim noch vermeintlich nutzloses Zeug herumfliegen habt, bringt es mit und transformiert es in Unikate, um die Euch jeder beneiden wird!




Was? -- DIY Workshop Upcycle It!
Wann? --4. Juli 2010 | 12-18 Uhr
Wo? -- Open Design City | Prinzessinnenstrasse 19-20, 10969 Berlin



[hat tip, bausteln]

July 1, 2010

handmade.Termin: 3. Höfischer Kunst- und Designmarkt Leipzig


Der Sommer wird handmade!

Vor lauter handmade.Terminen komme ich diese Woche gar nicht dazu, auch mal etwas andere Dinge zu bringen... und das ist ja eigentlich auch wieder gut so, denn dass die handmade-Märkte-Szene in Deutschland aufblüht, wünsche ich mir und uns ja schon seit Jahren.

Am kommenden Sonntag kommen alle Leipziger in den Genuss des 3. Höfischen Kunst- und Designmarkts. Der letzte fand im vergangenen August statt, und wie es war, könnt Ihr hier anschauen.

Die beiden Macherinnen von Daschendiecher haben also auch in diesem Jahr wieder einen Markt organisieren können, Location ist wieder der Grafische Hof in Leipzig. Neben zahlreichen Ständen gibt es ein Rahmenprogramm und leckere Verpflegung, nebst hoffentlich Sonne satt.



Was? -- 3. Höfischer Kunst- und Designmarkt
Wann? --4. Juli 2010
Wo? -- Grafischer Hof Leipzig |Hans-Poeche-Str. 2, 04103 Leipzig

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