March 5, 2012

handmade.Interview: Sibilla Kawala von Limberry


Dem sehr interessanten Thema Mass Customization widmet auch handmade2.0 immer wieder einmal Beiträge. Heute, zum Start in die neue Woche, ist Sibilla Kawala von LIMBERRY im handmade.Interview zu Gast und erzählt ein wenig über ihr Unternehmen, das ganz im Zeichen von individuell gestalteter Mode steht - denn hier bestimmt die Kundin selber, wie ihr Kleidungsstück aussehen soll.




h2.0: Bitte stell Dich doch kurz vor: wer bist Du und was machst Du?
Sibilla: Mein Name ist Sibilla Kawala und ich bin Gründerin und Geschäftsführerin von LIMBERRY, dem ersten Modelabel für individuelle Frauenmode nach Maß- vom Abendkleid bis hin zum Dirndl.



h2.0: Wenn ich es richtig recherchiert habe, ist Dir das Unternehmertum quasi in die Wiege gelegt worden. Du hast aber vor allen Dingen hart und zielstrebig an Deiner Karriere gearbeitet und machst zur Zeit parallel zu Limberry noch Deinen Doktor in Business Administration in UK. Wie bist Du als BWLerin zu Mode und Mass Customization gekommen?
Sibilla: Im Sommer 2010 war ich selbst auf der Suche nach einem außergewöhnliches Kleid für einen besonderen Anlass. Leider musste ich auf ein Kleid zurückgreifen, das weder meine gewünschte Farbe hatte noch perfekt passte – denn einen Anbieter für individuelle Mode nach Maß habe ich nicht finden können. Auf der Veranstaltung kam es wie es kommen mußte und ich war nicht die einzige, die dieses Kleid trägt.
Ich fing an mich mit dem Thema Mass Customization auseinander zu setzen und recherchierte, ob es so ein Angebot wirklich noch nicht gibt. Zu dieser Zeit war ich auch auf der Suche nach einem Thema für meine Promotion. Da ich selbst nach längerem Suchen keinen Anbieter für individuelle Maßmode finden konnte und es schon immer mein Ziel war, mein eigener Chef zu sein, fasste ich den Entschluss: Ich gründe ein Modelabel für mass customized Frauenmode nach Maß und schreibe meine Dissertation über dieses Thema.

h2.0: Worum geht es bei Limberry genau und was unterscheidet Dein Unternehmen von klassischen Onlinestores im Bereich Fashion?
Sibilla: LIMBERRY ist ein Modelabel, spezialisiert auf individuelle Frauenmode nach Maß. Unser Ziel ist es, die bisher von Standarddesigns und Fixgrößen dominierte Modewelt zu „revolutionieren“ und einen ersten Meilenstein in Richtung Mode 2.0 zu setzen.
Bei uns können Frauen, bei jedem Kleidungsstück, zwischen verschiedenen Stoffen, Farben, Knöpfen und vielen weiteren Applikationen wählen. Die gewünschten Details werden am Produkt sofort visualisiert. Um eine optimale Passform zu garantieren, wird jedes Kleidungsstück nach Maß gefertigt. Hierfür benötigen wir fünf Angaben der Kundin: Körpergröße, Brustumfang, Taillenumfang, Hüftumfang und Armlänge.
Bisher hatten nur Männer das Privileg der online Maßkleidung genießen können. Jetzt setzt LIMBERRY mit seinem Konzept und seinen frischen Entwürfen einen absolut neuen Impuls in die Modewelt der Frauen.

LIMBERRY Konfigurator


h2.0: Du beschreitest mit Limberry einen Bereich in der Mass Customization, der von Modedesignern kritisch beobachtet wird (vgl. hier). Wieviel Spielraum sollte denn Deiner Meinung nach dem Kunden beim Designprozess von, in diesem Fall, Fashion gelassen werden? Wäre es nicht egal, ob ein Stück „gut designt“ ist, solange der Kunde glücklich mit „seiner“ Kreation ist?
Sibilla: Uns ist es wichtig, dass möglichst alle wählbaren Stoffe und Applikationen eines Modells zueinander passen– egal wie sie kombiniert werden. Hiermit wollen wir sicherstellen, dass auch Kundinnen, die unsicher im Kombinieren der Farben sind, ein Kleidungsstück designen können, bei dem alles zusammenpasst- vom Futterstoff bis hin zum Paspelband. Denn hinter jedem Design steht LIMBERRY als Modelabel und daher soll jedes einzelne Kleidungsstück den Stil der Marke repräsentieren.

LIMBERRY Tweed Blazer


h2.0: Alle Produkte von Limberry werden in Deutschland gefertigt. Wie wichtig ist dieses Detail Dir persönlich und was haben Deine Kundinnen davon?
Sibilla: Jedes individuelle Kleidungsstück ist eine Einzelanfertigung und wird in Handarbeit gefertigt. Wir haben uns für eine Produktion in Deutschland entschieden, um einen hohen Qualitätsstandard sicher zu stellen und schnelle Lieferzeiten zu garantieren. Eine Produktion in Deutschland ist natürlich teurer, als im osteuropäischen oder gar asiatischen Ausland. Nun muss der Kunde entscheiden, ob er bereit ist, für ein Produkt aus Deutschland mehr zu zahlen. Mir persönlich ist es wichtig, weiterhin in Deutschland zu produzieren und unsere Produktion auf andere Produktgruppen auszuweiten. Es gibt viele gut ausgebildete Schneiderinnen in Deutschland und ich würde mich freuen, wenn LIMBERRY in Zukunft Arbeitsplätze in Deutschland schaffen kann.



h2.0: Wie gross ist das Team hinter Dir? Wer ist alles an der Erarbeitung der Kollektionen beteiligt?
Sibilla: Die Designs der Kollektionsteile entwerfe ich zurzeit selbst und die Schnitte werden von einer erfahrenen Schnittdirektrice entwickelt. Große Unterstützung erhalten ich von meiner über 80jährigen Oma, die früher Schneiderin war und die Musterteile für LIMBERRY anfertigt. Zusätzlich arbeitet LIMBERRY mit einer Vielzahl an weiteren Experten zusammen, wie Marketingspezialisten, Grafikern, Fotografen und IT-Spezialisten.
Das feste Team um LIMBERRY besteht aktuell aus mir, wird sich in Kürze aber erweitern, um noch schneller auf die Wünsche unserer Kunden reagieren zu können.

h2.0: Welches sind die absoluten Limberry-Bestseller?
Sibilla: Das LIMBERRY Herzmadl Dirndl sowie der Preppy School Blazer.

LIMBERRY Herzmadl Dirndl

LIMBERRY Preppy School Blazer

h2.0: Was sind Deine Pläne für Limberry in diesem Jahr? Gibt es einen Sneakpeak auf neue Modelle?
Sibilla: In Kürze wird es jedes Kleidungsstück aus der Kollektion als fertiges Design in Standardgrößen geben. Und auch die neuen Kollektionsteile werden bald erhältlich sein. Hier wird es zwei neue Blazer geben und einen Trenchcoat. Zusätzlich arbeite ich gerade an einer neuen Dirndl Kollektion.  
Für dieses Jahr haben wir noch viele  neue Ideen für individualisierbare Produkte, die wir Schritt für Schritt ausprobieren werden.

h2.0: Wenn Du in die Produktionsstätte oder Kreativschmiede einer Person oder eines Unternehmens schauen dürftest, wer würde das sein und warum?
Sibilla: Für mich ganz klar: Die Designer Domenico Dolce und Stefano Gabbana, die beiden Gründer des weltweit bekannten Labels Dolce&Gabbana. Ich verbinde mit denen eine immer wieder gelungene Kollektion, stilvolle Eleganz, traumhafte Schnitte, bei der die Weiblichkeit der Frau hervorgehoben wird. Viele Kleidungsstücke sind sehr auffallend und in der Farbkombination selbstbewusst ausgewählt. Perfekt für Frauen die sich trauen Farbe zu zeigen.

h2.0: Welche handwerkliche Fertigkeit oder welche Technik würdest Du gerne noch lernen?
Sibilla: Oftmals habe ich viele neue Designideen und würde diese gerne selbst umsetzen und ausprobieren können. Daher würde ich gerne Nähen lernen.



h2.0: Bücher, die Du GründerInnen in der Kreativwirtschaft empfehlen würdest?
Sibilla: Meine Empfehlung richtet sich nicht speziell an Kreative; Ich  würde allen Gründern und Gründerinnen das Buch “Mastering the Rockefeller Habits: What You Must Do to Increase the Value of Your Growing Firm” empfehlen.

h2.0: Words of (Indie) Wisdom: was würdest Du Kreativen raten, die ihr eigenes kleines Unternehmen gründen wollen?
Sibilla: Trau Dich- denn wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg!



Vielen Dank, liebe Sibilla, für Deine Zeit und für dieses schöne Interview!


Produktphotos, Screens © Limberry





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