July 17, 2012

Geo, Sphären und Polyheder


Polyheder haben für mich-die-Kulturwissenschaftlerin eine besondere Faszination. In der Renaissance brach geradezu eine Hysterie aus, als Kunst und Wissenschaft erst in Italien, dann nördlich der Alpen, das Universum der Polyhedra wieder entdeckten und einige der wahnsinnigsten Sphären schufen, die die Menschheit je gesehen hat.

Etwas bescheidener aber ebenso schön und ausserdem sehr praktisch ist die Idee von zü Gallery, die ausserdem auch noch als DIY-Printable auf Euren Schreibtisch kommt:




July 12, 2012

Trau Dich, aber mach Deine Hausaufgaben. Kreativszene meets Abmahnwelle.


Vor rund einem Jahr hatte ich lesetiptechnisch auf einen Artikel von mir im Blog des berliner feed magazin hingewiesen. Es ging um die handmade-Szene in Deutschland und den Umgang mit Abmahnungen dort. Die Diskussion mit den LeserInnen war ziemlich interessant und für mich persönlich sehr aufschlussreich. Der Vollständigkeit halber hier der Artikel auch für das handmade2.0-Archiv.

Angemerkt sei ausserdem noch, dass sich seit dem Artikel einiges getan hat in der kreativen Szene. Mit der Etsykonferenz in Berlin fand das erste grössere Event in die angedachte Richtung statt, die ausserdem die Kreativszene direkt ansprach. Es folgte vor ein paar Wochen die Veranstaltung The Hive, die nicht ganz in die Richtung ging, sich aber in verwandter Weise doch relevanten Themen annahm (und überhaupt: Kreativbloggerkonferenzen sind der letzte Schrei; nach rund fünf Jahren nun auch in Deutschland). In traditionellerer Form gibt es natürlich seit Jahren Veranstaltungen und Workshops für GründerInnen aller Art, und mittlerweile haben es Kreative auch selbst in die Hand genommen, ihr Wissen in Workshops und ähnlichen Veranstaltungen zu teilen.

Das ist ein guter Anfang, dem aber noch viel mehr folgen muss. Und wenn es nach mir ginge, dann vornehmlich Grassroots-Style, also ohne Eigenwerbungsaktionen der grossen Marktplätze.


[Nachtrag, 13.7.: Nun auch bei den Netzpiloten. Ick freu mir!]


Trau Dich, aber mach Deine Hausaufgaben.
Über den Umgang mit Abmahnungen in der Kreativszene




Hand- und Selbergemachtes verkaufen, ob über das Internet oder auf Märkten und Basaren – die Welle des Selbermachens, die seit 2006 auch in Deutschland beständig an Fahrtwind aufnimmt, macht immer mehr Hobbydesignern, DIYlern und Bastlern das Verkaufen ihrer bislang für den Eigenbedarf gefertigten Produkte schmackhaft. Zu verlockend sind die Erfolgsgeschichten von Kreativen, die sich über ihr Hobby ein zweites Standbein, wenn nicht sogar eine eigene Existenz aufgebaut haben. Zu schön der Gedanke, von daheim nebenher doch noch ein wenig mehr Geld auf dem Konto zu haben. Und das mit nur wenigen Klicks. Denn die braucht es gerade einmal, um einen Shop auf einem der immer zahlreicher werdenden Internetmarktplätze für Selbst- gemachtes und Unikate zu eröffnen.

Nur Selbermachen und Herzeigen war gestern.
Nicht nur im Netz ausstellen, sondern Geld verdienen mit dem was man gerne tut, und dann noch von daheim oder aus dem eigens eingerichteten kleinen Studio – davon träumen mittlerweile viele Kreative in Deutschland. Und es sieht auch alles so einfach aus, wenn man die kreativen Blogs aus aller Welt mitverfolgt: da sieht man schöne Produkte, toll eingerichtete Nähzimmer, man sieht, wie beliebt die Kreativen sind und wie toll sie verkaufen. So schwer kann es doch dann nicht sein, denken sich viele, und eröffnen ihren eigenen Onlineshop auf einem der Marktplätze für Hand- und Selbergemachtes wie DaWanda oder Etsy, dokumentieren ihr kreatives Schaffen auf einem eigenen Blog und netzwerken auf Facebook. Doch spätestens wenn die erste Abmahnung ins Haus flattert, oder wenn auf Blogs und Marktplatzforen wieder berichtet wird, wer per kostenpflichtiger Abmahnung zu einer saftigen Geldstrafe verdonnert wurde, kommen viele Kreative knallhart in der Realität an. Denn was vielen nicht bewusst ist: Es gehört mehr zum Verkaufsgeschäft als nur das Produzieren von Produkten und dem Einrichten eines Shops im Internet. Aber darüber bloggt und berichtet keiner. Und manchmal hat es einfach den Anschein, als existiere das, was man nicht sieht, für viele Kreative einfach nicht.

Trau dich. Aber mach Deine Hausaufgaben.
Tatsächlich aber gibt es viel zu erledigen, bevor man sich mit selbstgefertigten Produkten in den Verkauf wagen sollte. Und das wiederum hat alles noch nichts mit frohen Stunden im kreativen Kämmerlein zu tun. Es ist die Arbeit hinter den Kulissen; die Behördengänge für Gewerbeschein & Co, das Beratungsgespräch bei einen Steuerberater, die gründliche Recherche nach Lizenzen, Copyrights und anderen rechtlichen Dingen; das sorgfältige Überprüfen eventueller sicherheitstechnischer Anforderungen an die geplanten Produkte und letztendlich eben auch noch der ein oder andere Gedanke über Marketing und PR. Über diese Dinge ist freilich wenig zu finden in der Kreativblogwelt. Aber sie existieren und gehören zum Business dazu wie sorgfältig gefertigte Produkte.
Seitdem The New Handmade, die Alternative zum Konsum massengefertigter Güter, auch in Deutschland im Mainstream angekommen ist -und das ist seit ungefähr 2009 der Fall, also gut drei Jahre, nachdem DaWanda als erster deutscher Kreativmarktplatz an den Start gegangen ist- scheinen sich die Abmahnungen im Kreativbereich zu häufen. Unfair finden das die einen, kein Wunder denken sich die anderen. Da werden Abmahnungen ausgesprochen für den Gebrauch von Stoffen und anderen Kurzwaren, deren Weiterverarbeitung nur für den privaten, nichtgewerblichen Bereich erlaubt ist; Schnittmuster und Bastelvorlagen, die lediglich für den privaten Gebrauch bestimmt sind, sowie Bastelmaterial wie Stempel und Servietten, die oftmals geschützt sind und für die gewerblich Handelnde erst einmal Lizenzen erwerben müssten, stehen auch ganz oben auf der Liste. Und dann wären da ganz generell noch Designs und Motive, die geschützt und somit ebenfalls tabu sind.
Die Abmahnungen kommen selten als freundlicher Warnschuss, sondern sind oft sofort mit einer Kostennote versehen, die in die Tausende gehen kann. Und sie haben auch sonst häufig unangenehme Folgen für die Abgemahnten – der Ruin für alle, die eigentlich “nur” ein paar Euro dazuverdienen wollten. Mittlerweile häufen sich Diskussionen zu diesen Themen auf Bastelseiten und in den Foren von Internetmarktplätzen; die Stimmung geht von eingeschüchtert-ratlos bis wütend-aufwiegelnd. Sieht man einmal von Abmahnungsfällen ab, bei denen es  ohnehin schon um fragwürdige Praktiken geht, also zum Beispiel offensichtliche Geldscheffelei, so zeigen die meisten Kreativen kein Verständnis für Abmahnungen, die schon mit einer Kostennote ins Haus geflattert kommen. Geradezu hitzig werden die Diskussionen online, da zum einen in der Regel die Abmahnungen über Anwälte abgewickelt werden, die Betroffenen also nicht einmal persönlichen Kontakt zum eigentlichen Abmahner bekommen. Zum anderen wird die kostenpflichtige Abmahnung von sogenannten “Grossen” an “die Kleinen” als unmoralisch empfunden, da Kleinstunternehmer im Kreativmarkt sehr oft über keine finanziellen Puffer verfügen, von denen sie Abmahnkosten bezahlen, geschweige denn einen etwaigen Prozess vor Gericht bestreiten könnten. Und so wird bereits gefordert, dass gerade kleine Anbieter erst einmal schriftlich verwarnt werden sollten, bevor sie eventuell doch noch zur Kasse gebeten werden müssen.
Gerade die Diskussionen im kreativen Web machen deutlich, wie sehr das Rechtsgefühl Einzelner und tatsächliches Recht auseinander klaffen: Als besonders unmoralisch werden Abmahnungen empfunden, die von kreativen Mitbewerbern kommen,  welche unter Umständen auch noch auf demselben Internetmarktplatz verkaufen wie die Abgemahnten. Menschlicher soll es daher zugehen. Für den Marktplatz DaWanda haben sich einige Nutzer bereits einen verbindlichen “Ehrenkodex” gewünscht, der allen Streitigkeiten ein klärendes Gespräch voranstellen soll.

DIY-Welle meets Professionalität. Und wie geht es weiter?
Gerade die aktuelle DIY-Welle vermittelt oft den, leider falschen, Anschein, als greife das Gesetz hier nicht. Als gäbe es kein Urheberrecht, kein Steuerrecht und kein Wettbewerbsrecht. Aber das ist natürlich nicht so – es liegt einfach an der Kommunikation. Internetmarktplätze wie DaWanda und vonDir verstehen sich lediglich als vermittelnde Instanz, also als Verkaufsplattform, und sahen sich bislang daher verständlicherweise nicht in der Pflicht, ihren Nutzern auch noch das Einmaleins des gewerblichen Handelns beizubringen. Und Nutzer missverstehen das Nichtbesprechen gewerblicher Pflichten als ein Nichtzutreffen. Aber hier empfiehlt es sich, etwas umzudenken, denn die handmade-Szene zeichnet sich nicht nur durch kreative Gemeinsamkeiten aus, sondern auch durch den Community-Gedanken. Man redet miteinander. DaWanda zum Beispiel hat dies aber mittlerweile erkannt und bietet für das Nachholbedürfnis vieler Nutzer nun Hilfestellung in Form eines neuen Rechtsportals an. Etsy, der US-Marktplatz für Handgemachtes, der im vergangenen Jahr den europäischen Markt in Angriff genommen hat, wird in diesem September sogar eine Konferenz in Berlin abhalten, auf der es unter anderem hoffentlich auch in angemessener Weise um rechtliche Themen gehen wird, die für den hiesigen Markt relevant sind (das Programm steht noch nicht ganz fest). Sogenannte “Creative Summits” sind in den USA schon seit Jahren erfolgreich, während die deutsche Kreativszene auf Vergleichbares ebenso lange warten musste.
Hilfestellungen und Veranstaltungen dieser Art sind es, die die deutsche und europäische handmade-Szene verstärkt braucht, um kleinen Anbietern und Hobbyisten gleichermaßen den Rücken in rechtlichen, gewerblichen und grundsätzlich professionellen Sachen zu stärken. Mit Veranstaltungen dieser Art muss außerdem gezielt auf die Kreativen zugegangen werden; sie müssen darauf aufmerksam gemacht werden. Wenn Kreative sich ihrer Rechte und Pflichten erst einmal bewusst(er) sind, wird die Lage auf dem Abmahnmarkt vielleicht auch etwas entschärft. Einfach deshalb, weil viele Regelverstöße, die aus Unwissenheit passieren, so gar nicht erst entstehen.
 



Collage: handmade2.0
Cupcake & Denkblase: Sabrina Eras @flickr, CC BY 2.0



July 4, 2012

handmade.Termin: handmade supermarket, markt van morgen, Breminale


Während das pop design festival in Dortmund in vollem Gang tobt, und während die fashionaffine Welt sich die Fashion Week gibt, passieren aber auch an diesem Wochenende noch ein paar feine handmade.Termine.





In Berlin lädt Euch der handmade supermarket zu einer weiteren Sommerausgabe in die Markthalle IX -- handmade.Shopping bei Designern und Kreativen aus Berlin und von anderswo sowie leckere Köstlichkeiten aus aller Welt sind den Besuch allemal wert. Anlässlich der Fashion Week bietet aber auch der handmade supermarket etwas für Fashionistas, nämlich das Faire-Mode-Special: Unikate & Kleinstserien, fair produziert, tragbar, bezahlbar. Und das beste: alles ist direkt vor Ort zum Mitnehmen.


Sonntag, 8. Juli
11.00 - 18.00 Uhr
Markthalle IX, Berlin-Kreuzberg



Wer an einem der kommenden Termine selber mit einem Stand vertreten sein möchte, bewirbt sich direkt beim handmade supermarket (das wären wegen der grossen Beliebtheit warscheinlich die Herbst- und Wintertermine!).




Der Markt van Morgen findet am Sonntag im belgischen Antwerpen mit einer weiteren Open-Air-Ausgabe statt. Die Kloosterstraat wird wieder einmal zur Bummelmeile für handmade, leckere Köstlichkeiten, buntem Treiben und toller Livemusik.

Sonntag, 8. Juli
12.00 - 18.00 Uhr
Kloosterstraat, Antwerpen/Belgien




Vom 11. bis 15. Juli findet die Breminale in -ha!- Bremen statt, und die Veranstalterinnen vom Oldenburger Koffermarkt werden mit von der Partie sein: Während des gesamten Festivals hat jeden Tag von 14.00 bis 21.00 Uhr die Ideenwerkstatt Koffermarkt auf der Närrischen Wiese geöffnet, in der insgesamt 21 verschiedene und täglich wechselnde Aussteller ihre selbstgefertigten Produkte aus dem Koffer heraus verkaufen.

P.S. Die Breminale hält auch eine App für iPhone und Android bereit; die Androidversion habe ich kurz getestet und finde sie sehr brauchbar (ich kann sogar die Termine in den handmade.Kalender übernehmen... warum können das nicht mehr grosse/regelmässig stattfindende Events anbieten? #hint).

 
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